1. Mai
2008: Heute haben von der NASA unterstützte
Forscher ein neues "4D" live Modell der Ionosphäre der Erde
für die Allgemeinheit veröffentlicht. Ohne sein Haus
verlassen zu müssen, kann jeder durch die Schichten
ionisierten Gases fliegen, welche die Erde an der Grenze zum
All umgeben. Alles was man braucht, ist eine Verbindung zum
Internet. "Das ist eine aufregende Entwicklung",
sagt der Sonnenphysiker Lika Guhathakurta vom NASA
Hauptquartier in Washington, DC. "Die Ionosphäre ist wichtig
für Piloten, Amateurfunker, Geologen und sogar Soldaten. Mit
Hilfe dieses neuen 4D Tools können sie die Ionosphäre so
untersuchen, als ob sie sich tatsächlich in ihr befinden
würden."
Klicken Sie auf den Screenshot um eine 19MB große Demo zu
sehen: Die Ionosphäre ist, auf gewisse Art, der
letzte Grenzposten unserer Erde. Es ist der letzte Rest der
Erdatmosphäre, welche die Astronauten hinter sich lassen,
wenn sie in das All fliegen. Der Bereich der Ionosphäre
erstreckt sich von 80 bis 800 Kilometer über der
Erdoberfläche, wo die Atmosphäre sich zu einem fast-Vakuum
verdünnt, und direkt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist.
Ultraviolette Strahlung der Sonne zerbricht Moleküle und
Atome und verursacht einen erdumspannenden Nebel aus
Elektronen und Ionen.
Amateurfunker kennen die Ionosphäre gut. Sie können über den
Horizont hinaus kommunizieren, indem sie ihre Funksignale an
der Ionosphäre abprallen lassen -- oder gar nicht
kommunizieren, wenn ein Sonnenausbruch die Ionosphäre mit
Röntgenstrahlung bombardiert und zu Funkwellen Blackouts
führt. Die Ionosphäre hat auch einen großen Einfluss auf den
GPS Empfang. Bevor das Signal eines GPS Satelliten den Boden
erreicht, muss es erst durch Gase in der Ionosphäre reisen,
die Radiowellen ablenken, reflektieren und abschwächen.
Sonnen- sowie geomagnetische Stürme, welche die Ionosphäre
durcheinanderwirbeln, können GPS Fehler von bis zu 100
Metern bewirken. Stellen Sie sich einen Piloten vor, der nach
seinen Instrumenten fliegt und sich im Landeanflug befindet,
nur um festzustellen, dass das dort rechts ein Fußballfeld
ist. "Die Ionosphäre zu verstehen, ist auf
jeden Fall wichtig. Darum unterstützte NASAs "Living with a
Star" (LWS) Programm diese Arbeit", sagt Guhathakurta, LWS
Wissenschaftler. Space Environment Technologies, Inc. of
California erhielt die LWS Förderung und arbeitete mit der
Space Environment Corp. of Utah sowie der US Air Force
zusammen, um die 4D Ionosphäre zu entwickeln. "Die beste Art, die 4D
Ionosphäre schätzen zu lernen, ist es, sie auszuprobieren",
sagt W. Kent Tobiska, Präsident von Space Environment
Technologies und Chefwissenschaftler seiner Space Weather
Division. Er gibt diese Anleitung:
"Laden Sie als ersts
Google
Earth herunter und installieren Sie es."
"Besuchen Sie als zweites unsere
Webseite und klicken Sie auf den Link 'Total Electron
Content.'"
Rechts: Kent Tobiska demonstriert die
Nutzung der 4D Ionosphäre:
19 MB Video.
Warten Sie darauf, dass die Datei lädt, und presto -- Sie
fliegen durch die Ionosphäre:
Screenshot.
"Die Farben stehen für den Gehalt an Elektronen", erklärt
Tobiska. "Leuchtendes Rot bedeutet eine hohe Dichte; dann
wird der Funkverkehr auf einige oder gar keine Frequenzen
beschränkt. Blau bedeutet eine niedrige Dichte; es gibt dort
keine Probleme."
Mit Hilfe der intuitiven Google Earth Oberfläche können die
Besucher über, drum herum und durch diese Gebiete fliegen
und bekommen einen echten 3D Anblick der Lage. Machen wir
das 4D. "Die vierte Dimension ist die Zeit. Dies ist ein
Echtzeit-System, welches alle 10 Minuten aktualisiert wird",
sagt er.
Das 4D Modell kann sehr spannend sein und sogar ein wenig
süchtig machen, warnt Tobiska, der es gern dazu benutzt, ein
imaginäres Flugzeug über die Arktis zu fliegen. "Eine immer
größere Anzahl kommerzieller Flüge fliegen über die Arktis",
sagt er. "Es ist die kürzeste Distanz, z.B. zwischen Chicago
und Beijing und anderen großen Städten."
Die Ionosphäre ist besonders für diese
lukrativen Flüge sehr wichtig. Während sie sich über der
Arktis befinden, verlieren die Flugzeuge den Kontakt zu den
meisten geostationären Satelliten und müssen sich dann auf
die "gute alte" Funktechnik verlassen -- etwas, das während
eines Funk Blackouts nicht verfügbar wäre. Mit Hilfe des 4D
Modells könnte ein Fluglotse die Ionosphäre aus Sicht des
Piloten untersuchen, und diese Informationen dazu nutzen,
Problemen zuvorzukommen, welche dazu führen würden, dass ein
Flug gestrichen werden müsste oder sich verspäten würde.
Der Name des Systems ist CAPS, die Kurzform für
"Communication Alert and Prediction System". Satelliten
versorgen das System mit minutengenauen Informationen über
die Sonnenaktivität; die Messungen werden dann durch
physikalische Computeralgorithmen in die Elektronendichte
umgerechnet. Es ist wichtig anzumerken, sagt Tobiska, dass
CAPS nicht nur den aktuellen Zustand der Ionosphäre zeigt,
sondern auch in der Lage ist, die nahe Zukunft
vorherzusagen. "Die Vorhersage ist ein Hauptaspekt von CAPS,
welcher unseren Kunden, wie z.B. dem
Verteidigungsministerium und den Fluggesellschaften, zur
Verfügung steht."
Starten Sie Ihren eigenen Flug
hier.
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Author & Editor:
Dr. Tony Phillips | Credit:
Science@NASA
Übersetzung + Editor:
Frank Erhardt (Astrolabium.Net)
| Weitere Informationen |
|
Living With a Star -- das NASA Programm, welches diese Arbeit unterstützte. Was ist die Ionosphäre? -- Wikipedia NASA's Future: US Space Exploration Policy |
Leserkommentare |
Kommentare
jacob 04 Mai 2008, 18:41
cool, dann können wir uns drauf vorbereiten wo kosmische strahlung zur
gefahr wird, und wo wir menschen sicher sind
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