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28. März 2008: Hellgraue, mit Kratern übersäte
Berge, die höher sind als der Mount McKinley. Gräben die
mehrmals den gesamten Grand Canyon verschlingen könnten.
Neue
Radarkarten vom Südpol des Mondes
enthüllten eine drastische, schroffe Landschaft, die
Astronauten in der Zukunft vielleicht ihr Zuhause nennen.
Unglücklicherweise lieferten diese Radarbilder keine neuen
Informationen über etwas was das Leben an den Mondpolen sehr
viel einfacher machen würde: gefrorenes Wasser.

Oben: Der Südpol des Mondes von der Erde
aus gesehen.
mehr.
Neue Hinweise, ob Wassereis an den Mondpolen existiert,
müssen auf eine Sonde namens Lunar Reconnaissance
Orbiter, oder "LRO", warten. Derzeit nehmen
Wissenschaftler an NASAs Goddard Space Flight Center die
Instrumente entgegen und integrieren sie in den Satelliten,
der Ende des Jahres starten soll.
Die Vision for Space Exploration der NASA will bis 2020
Menschen zum Mond zurückschicken und später einen bemannten
Außenposten auf dem Mond aufbauen. LRO ist die erste einer
Reihe von Sonden, welche kritische Daten über die
Topographie des Mondes, die Strahlung auf dem Mond,
Temperaturen und chemischen Zusammensetzungen sammeln
sollen, damit die NASA Wissenschaftler bemannte Missionen
planen können.
Während LROs 1-jährigem Aufenthalt im Orbit um den Mond,
wird die Sonde den Wissenschaftlern noch nie dagewesene
Daten darüber liefern, ob irgendwo Wassereis versteckt auf
dem Mond zu finden ist.
Der größte Teil des Mondes ist knochentrocken. Seine
Oberflächentemperatur kann während des Mondtages die 100 °C
übersteigen, was vorhandenes Wasser oder Eis schnell
verdampfen würde. Zusätzlich ist die Anziehungskraft des
Mondes zu gering, um den Wasserdampf daran zu hindern in den
Weltraum zu fliegen. Gefrorenes Wasser, wenn es existiert,
findet sich in grabenähnlichen Kratern, die bis zu vier
Kilometer tief sind. Einige Stellen in diesen Kratern liegen
das gesamte Jahr über im Schatten, so dass die Temperaturen
dort auf bis zu -240 °C fallen. Das ist kalt genug um selbst
auf dem Mond Wasser gefroren zu halten.
Eine Eismine in der Nähe böte mehr als nur eine
Trinkwasserquelle. Siedler auf dem Mond könnten das Wasser
nutzen, um Pflanzen als Nahrung wachsen zu lassen. Die
Auftrennung von Wassermolekülen mit Elektrizität aus den
Solarpannels würde Sauerstoff erzeugen, um die Luft des
Außenpostens zu regenerieren. Man könnte auch Wasserstoff
produzieren, einen exzellenten Raketentreibstoff, der die
Fahrzeuge und Raketen der Astronauten antreiben könnte. (Der
Treibstoff des Hauptantriebs des Space Shuttle ist flüssiger
Wasserstoff.)
Verlockende
Hinweise von früheren Orbitern legen nahe, dass diese Krater
vielleicht bis zu einem Kubikkilometer Wassereis
beherbergen. Die Clementine und Lunar Prospector Missionen
der 1990er Jahre fanden beide indirekte Hinweise auf Wasser
-- oder andere Wasserstoff-haltige Verbindungen -- in den
Kratern an den Mondpolen. Unglücklicherweise blieben durch
die Daten Unsicherheiten offen.
Rechts:
Die Karte des Südpols des Mondes von Lunar Prospector zeigt
in blau wo Wasser, oder andere Wasserstoff-reiche
Komponenten, vorhanden sein könnten.
mehr.
"Es
ist die Aufgabe von LRO dies einzugrenzen", sagt Alan Stern,
Leiter des Science Mission Directorate am NASA Hauptquartier in
Washington, D.C.
Die Bestätigung der Existenz von Eis aus einem 50 km hohen
Orbit wird kompliziert sein. Vier von LROs
wissenschaftlichen Instrumenten werden nach verschiedenen
Anzeichen für Eis schauen. Wenn alle vier Instrumente auf
Eis in einem Gebiet hindeuten, würde dies sehr sicher
zeigen, dass dort auch wirklich Eis vorhanden ist, sagt Richard Vondrak,
Projektwissenschaftler für LRO. "Ich erwarte, dass LRO
ein für alle mal die Frage nach Eis auf dem Mond beantworten
wird", sagt Vondrak.
Der einfachste Weg nach Eis in diesen tiefen Kratern zu
schauen, wäre es nachzusehen. Aber ohne das diffuse Licht
eines hellen, blauen Himmels und weißer Wolken, sind
Schatten auf dem Mond viel schärfer und dunkler als Schatten
hier auf der Erde.
Um in diese tiefschwarzen Krater hineinzuschauen wird LRO
eine andere Lichtquelle nutzen: Sternenlicht. Eines der
Instrumente an Bord von LRO kann das Sternenlicht "sehen",
das von der Mondoberfläche reflektiert wird. Dies liegt
daran, dass dieses Instrument, genannt Lyman-Alpha
Mapping Project (LAMP), ultraviolettes Licht aufspürt. Als
zusätzlichen Bonus ruft Wassereis einen speziellen Abdruck
im Spektrum des reflektierten UV Lichts hervor -- einen
speziellen "Fingerabdruck", der dabei helfen kann, das
Vorkommen von Wasser zu bestätigen.

Oben: Konzept eines Künstlers von LRO im
Einsatz.
mehr.
Ein Laser
an Bord von LRO wird ebenfalls bestimmte Stellen kurz
aufhellen. Die Aufgabe des Lasers ist es die Konturen der
Mondoberfläche zu kartografieren, aber der Sensor -- genannt Lunar
Orbiter Laser Altimeter (LOLA) -- wird auch die Helligkeit
des reflektierten Laserlichts messen. Wenn die Reflektionen
aus den permanent im Schatten liegenden Kratern heller sind
als sonst wo, würde das bedeuten, dass dort Eiskristalle
vorhanden sind.
Eiskristalle im Mondboden hätten einen weiteren
interessanten Effekt: sie würden Neutronen absorbieren.
Der Mond wird von energiereichen kosmischen Strahlen aus dem
tiefen All überflutet. Wenn diese Teilchen die
Mondoberfläche treffen, erzeugen sie Neutronen, die zurück
ins All fliegen. LRO trägt einen Neutronendetektor mit sich,
der Lunar Exploration Neutron Detector
(LEND) genannt wird. Wenn LRO über ein großes Gebiet mit
Eis, versteckt in einem dunklen Krater, fliegt, würde LAND
einen Abfall der Anzahl der Neutronen die von dort
abstrahlen bemerken.
Als letzten Check wird LRO eine Art
Thermometer mit sich führen ,
das Diviner genannt wird. Dieses Instrument wird die
großflächigen Variationen in der Temperaturverteilung auf
der Mondoberfläche kartografieren, inklusive den permanent
im Schatten liegenden Kratern. Selbst wenn die anderen drei
Instrumente auf Eisvorkommen in den Kratern hindeuten, muss
Diviner auch zeigen, dass es dort kalt genug ist, um Eis vom
verdampfen abzuhalten.
Wenn LRO Eis in diesen tiefen Kratern findet, könnte es die
dramatischste Eigenschaft einer schon jetzt atemberaubenden
Mondlandschaft sein.
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Editor: Dr.
Tony Phillips | Credit:
Science@NASA
Übersetzung:
Frank Erhardt (Astrolabium.Net)
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