Apollo Überrest enthüllt sein Geheimnis

Stellen Sie sich vor auf dem Mond zu landen, wie Sie die Leiter Ihres Raumschiffs hinunter klettern, und einen Blick über die raue Mondlandschaft werfen -- und ein älteres Raumschiff entdecken, dass sich nur 180 Meter entfernt befindet. Genau das passierte im November 1969, als die Astronauten Pete Conrad und Alan Bean aus ihrem Apollo 12 Landemodul hinaus traten. In der Nähe, an der Kante eines kleinen Kraters, stand Surveyor 3, ein unbemanntes U.S. Raumschiff, das im April 1967 gelandet war.

Oben: Der Apollo 12 Astronaut Pete Conrad untersucht Surveyor 3. Conrads eigenes Raumschiff, die Intrepid, sieht man 180 Meter entfernt im Hintergrund. [Mehr] [Stereo Bild]

Die Landestelle für Apoll 12 wurde absichtlich in der Nähe von Surveyor 3 gewählt. Die kleine Landefähre verbrachte 2,5 Jahre dort und war dort dem Schlimmsten ausgesetzt, dass der Mond zu bieten hat: ein raues Vakuum, intensive kosmische Strahlung, Bombardement von Meteoriten, extreme Temperaturschwankungen. Auf der Erde wollten NASA Techniker wissen, wie sich Metall, Glas und andere Komponenten von Raumschiffen unter dieser Belastung verhalten. Die direkte Untersuchung von Surveyor 3 schien eine gute Möglichkeit zu sein, dies herauszufinden.

Auf ihrem zweiten, vierstündigen EVA, gingen Bean und Conrad zu Surveyor 3 hinüber, machten dutzende Fotos und Messungen, und fingen an Teile der Metallverkleidung und der elektrischen Kabel abzuschneiden. Sie nahmen eine Kamera ab. Das Letzte, dass sie entfernten, war eine kleine Schaufel, die sich am Ende von Surveyor 3s ausfahrbarem Arm befand. Diese Schaufel sollte in den trockenen Mondstaub graben, und mechanische Messungen des Mondbodens vornehmen.

Die kleine Schaufel, die Kamera und andere Überreste wurden zur Erde zurückgebracht, analysiert und dann eingelagert. Irgendwann in den vergangenen vier Dekaden wurde die Schaufel, welche dem Johnson Space Center gehört, als permanente Leihgabe in das Weltraummuseum nach Kansas geschickt. Und dort liegt sie bis heute still herum ... bis Forscher von NASAs Glenn Research Center (GRC) vor kurzem realisierten, dass diese kleine Schaufel ein großes Geheimnis mit sich tragen könnte.

Genau genommen, die Geheimnisse vom Graben auf dem Mond.

Die NASA wird zum Mond zurückkehren, und plant einen Außenposten zu errichten -- und dies wird ganz sicher einige Grabungen erfordern. Der felsige, staubige Mondboden, oder "Regolith", enthält viele der natürlichen Ressourcen, welche Menschen zum Leben brauchen. Es gibt zum Beispiel auseichend Sauerstoff, der in gewöhnlichen Felsen gebunden ist und, in den Polargebieten, vielleicht auch Lager von gefrorenem Wasser, das versteckt im Boden der dunklen Krater liegt. Alles was man braucht, ist eine kleine Grabung.

Aber wie? Regolith auf dem Mond ist nicht wie der Boden auf der Erde. Hier auf der Erde ist der Sand unter unseren Füßen, aus einer Kombination von biologischen und meteorologischen Kräften, geformt worden. Der Boden auf der Erde ist feucht, abgerundet vom Wetter und uns gut bekannt. Mond-Regolith hingegen ist eine trockene, glasige Substanz, die durch Milliarden Jahre dauernden Beschuss von Meteoriten zu Staub zertrümmert wurde. Dieser Boden wird auf eine Schaufel anders reagieren als fester Boden.


Rechts:
Ein Mikro-Foto vom Mond-Regolith. Die Probe ist ein Mix aus vulkanischen Glaskügelchen, scharf-kantigen Fragmenten aus "Einschlags-Glas", Felsstückchen und mehr. Foto, Eigentum von Larry Taylor, University of Tennessee.

"Für die Entwicklung von Schaufelgeräten für den Mond, müssen wir die Kräfte vorhersagen können, die benötigt werden, eine Schaufel durch den Mond-Regolith zu bewegen", sagt Allen Wilkinson, Teamleiter des ISRU (In-Situ Resource Utilization) Regolith Characterization Teams am Glenn Research Center.

Surveyor 3 und ihr Schwesterschiff Surveyor 7 gruben tatsächlich in den Mond und maßen, wie schwer ihre Antriebsmotoren arbeiten mussten, um den Boden zu baggern, zu drücken und abzukratzen. Um diese Messungen jedoch mehr als 40 Jahre später zu interpretieren, muss das Team die Dimensionen der Surveyor Schaufel kennen. Unglücklicherweise gingen die Konstruktionszeichnungen verloren! Also konnte nur die Schaufel selber die Antwort darauf geben.

Darum ging Wilkinson im April 2007 nach Hutchinson, Kansas, um dort die Surveyor 3 Schaufel auszuleihen, und so detaillierte Messungen machen zu können.

Oben: Die Surveyor 3 Schaufel wird von vier Mitgliedern des Regolith Characterization Teams untersucht; von Links nach Rechts: Xiangwu (David) Zeng, Enrique Rame, Allen Wilkinson, und Juan Agui. Copyright 2007 Trudy E. Bell.

Es stellte sich jedoch heraus, dass die Vermessung der Schaufel keine einfache Aufgabe war. Man kann nicht einfach ein Lineal an die Schaufel halten und ihre Größe ablesen. Man kann sie nicht einmal anfassen. Die Surveyor 3 Schaufel befindet sich in einem luftdichten, dreieckigen Container, und die Konservatoren der NASA möchten nicht, dass sie dort herausgeholt wird, weil dies die historische Echtheit, eines einmaligen Artefakts, mindern würde. 

Also lieh sich Glens Team ein Photometriegerät vom Kennedy Space Center. Photometrie ist eine Technik zur Vermessung von Objekten, die nur auf Fotos vorliegen. Sie hatten die Einrichtung eines Fotostudios, mit einem weißen Hintergrund. Das GRC Teammitglied Juan Agui, ein Experte für Experimente zu Grabungskräften, fotografierte die Schaufel in ihrem Container, der sich neben einem Standard Photometrie-Würfel befand. Dieser Würfel hat ein genaues Schachbrettmuster aufgezeichnet. Mit Hilfe von Software hat Robert Mueller dann, mit Hilfe von Triangulation, die Abmessungen bestimmt. Die Software wurde für die Arbeit des Columbia Accident Investigation Board entwickelt.


Rechts:
Die Surveyor 3 Schaufel in ihrem Glascontainer. Ein Füller im Vordergrund zeigt die Dimensionen auf. Ein anderes Foto zeigt das Innere der Schaufel.  Copyright 2007 Trudy E. Bell.

Photometrie ist wirklich gut", bemerkt Agui. "Wir konnten die Schaufel mit einer Genauigkeit von etwa einem Millimeter vermessen."

Seitdem haben sie eine Kopie der Schaufel konstruiert, und nutzen diese nun, um in simuliertem Mond-Regolith zu graben.

"Die Messungen der Grabungskräfte laufen gerade", sagt er. Die Kopie der Schaufel taucht in eine viereckige "Boden-Schicht", die gefüllt ist mit JSC-1a, ein. JSC-1a ist eine Mondstaubkopie, die auf der Erde hergestellt wurde, und welche die bekannten Eigenschaften des Mondstaubs besitzt. Ein Computer zeigt bei den Messungen die Tragkräfte an. "Unser Team ist sehr froh, dass die Messungen offenbar sehr gut mit den [besten] Surveyor 7 Daten übereinstimmen."

Mit dieser Testanordnung kann das Team z.B. alternative Schaufelkonstruktionen testen, und die Theorien über die Mechanik des Mondstaubs verbessern. "Eine Replik der Surveyor Schaufel zu haben, war wirklich sehr entscheidend", sagt Agui.

Die Geheimisse des Grabens auf dem Mond werden enthüllt.

 

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Autor: Trudy E. Bell |
Editor: Dr. Tony Phillips | Credit: Science@NASA
 
Übersetzung + Editor: Frank Erhardt (Astrolabium.Net)

Weitere Informationen

More about the Surveyor program: from NASA and from Wikipedia.

The Surveyor 3 scoop is described in a 1971 paper "Examination of the Surveyor 3 Surface Sampler Scoop Returned by the Apollo 12 Mission," by R. F. Scott and K. A. Zuckerman. Caution: PDF is a large 35MB file.

The Apollo Lunar Surface Journal for Apollo 12 -- The transcript for the second EVA, when Conrad and Bean cut the scoop off Surveyor 3, begins at 134:28:20; the scoop was removed from Surveyor at the very end, almost as an afterthought as it was not on the original list of items to be returned.

Visit the Kansas State Cosmosphere and Space Center online at http://www.cosmo.org/.

A brief history of lunar soil mechanics measurements:

Several Apollo astronauts during their landings between 1969 and 1972 used a standard soil mechanics tool called a cone penetrometer to measure some of the regolith's mechanical properties in the top two feet (60 cm). So did the Soviet Luna and Lunakhod missions that landed elsewhere on the Moon. From the U.S. and Soviet data, soil mechanicians have indirectly calculated digging forces.

Only two U.S. lunar spacecraft directly measured actual digging and trenching forces—direct measurements are the most accurate and useful for the design of lunar excavators: Surveyor 3 (which landed on Oceanus Procellarum on April 20, 1967) and Surveyor 7 (which landed near the crater Tycho on January 7, 1968). Those two Surveyor spacecraft included an extendable arm ending in a scoop (officially called the Soil Mechanics Surface Sampler). Among other tests, each scoop pressed vertically down to measure the regolith's weight-bearing strength, and pulled the scoop toward the spacecraft while bearing down to dig trenches. Only the data from Surveyor 7, though, were considered reliable enough to provide the needed digging forces.

Over a year ago, the Glenn team calculated the expected digging force for the one published Surveyor 7 digging force measurement. But something was clearly wrong: their calculated predictions, based on the size of the scoop they had estimated from photographs, were 5 to 10 times smaller than what was actually measured on the Moon. That discovery motivated a year of effort to find all still-existing Surveyor digging data and artifacts, so the Glenn team could calibrate their experiments and benchmark the strength of their test soils.

This detective hunt led the Glenn team to find video images of the Surveyor 7 scoop while digging, the actual returned Surveyor 3 scoop, possible data files with motor currents during other Surveyor 7 digging runs, and the paper calibration curves actually used in the 1960's to convert motor currents in into digging forces. The Glenn team learned that the Surveyor digger drawings were lost. They found two engineering prototypes of the scoop: one on display at the Smithsonian Air and Space Museum and one stored in the Garber Restoration facility. Glenn team member Juan Agui, an expert in digging force experiments, visited both sites to measure the scoops. To his consternation, he found the two engineering prototypes differed in crucial design details. But which one matched the actual flight units?

The answer was: neither. This the Glenn team learned from 74-year-old Floyd Roberson, a former JPL scientist who had co-developed the Surveyor scoops and supervised their operations with the late Ron Scott of the Californian Institute of Technology, Surveyor principal investigator for soil mechanics. From his personal archives, however, Roberson verified that the Surveyor 7 scoop was identical to the Surveyor 3 scoop that the Apollo 12 astronauts had returned to Earth. The key to the puzzle, therefore, was the Surveyor 3 scoop available for hands-off study in a museum in Kansas....

NASA's Future: US Space Exploration Policy

Leserkommentare
 

Kommentare

jury
24 Jun 2008, 14:20
das ist für mich aber nicht gerade die enhüllung eines geheimnisses, sondern eher eine wissenschaftliche erkenntnis.
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