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Seit
mehr als 400 Jahren untersuchen Astronomen die Sonne aus der
Ferne. Nun hat die NASA sich entschlossen dorthin zu
fliegen.
"Wir werden
zum ersten Mal
einen lebenden, atmenden Stern besuchen", sagt die Wissenschaftlerin Lika Guhathakurta
von der
NASA Zentrale. "Dies ist ein unerforschtes Gebiet
unseres Sonnensystems, und die Möglichkeiten für
Entdeckungen sind noch gar nicht abzuschätzen."
Rechts: Konzept
eines Künstlers, von der Solar Probe Plus. [Mehr]
Der Name der Mission ist Solar Probe+ (ausgesprochen als
Solar Probe Plus). Es handelt sich um ein hitzeresistentes
Raumschiff, dass entwickelt wurde, um tief in die Atmosphäre
der Sonne einzutauchen, wo es den Sonnenwind und den
Magnetismus vor Ort untersuchen kann. Der Start könnte schon
2015 stattfinden. Wenn die Mission dann 7 Jahre später
beendet ist, hoffen die Missionsplaner darauf, dass Solar
Probe+ zwei große Rätsel der Astrophysik gelöst, sowie
weitere neue Entdeckungen gemacht haben wird.
Die Sonde befindet sich noch in einer frühen
Entwicklungsphase, genannt "Vor-Phase", in der NASA
Zentrale, sagt Guhathakurta. "Wir haben viel Arbeit vor
uns, was aber sehr aufregend ist."
Johns Hopkins' Applied Physics Lab (APL) wird das
Raumschiff für die NASA planen und bauen. Das APL hat
bereits Erfahrung damit, Sonden zur Sonne zu schicken. APLs
MESSENGER Raumschiff flog zum ersten Mal im Januar 2008 am
Merkur vorbei, und viele der hitzeresistenten Technologien
werden auch bei Solar Probe+ zum Einsatz kommen.
(Anmerkung: Die Mission wird Solar Probe Plus
genannt, weil sie auf eine Entwicklung aufbaut, die 2005 vom
APL entworfen, und Solar Probe genannt wurde.)
Bei ihrer größten Annäherung wird sich Solar Probe+ 7
Millionen Kilometer, oder 9 Sonnenradien, von der Sonne entfernt
befinden. Dort muss das Hitzeschild, aus
Kohlenverbundstoffen, Temperaturen von mehr als 1.400° C
widerstehen, und Ausbrüche von Strahlung aushalten, denen
bisher noch nie ein Raumschiff ausgesetzt war. Die Sonde
wird natürlich mit Sonnenenergie betrieben; sie bezieht ihre
Energie von Flüssigkeits-gekühlten Solar Panels, die hinter
das Schutzschild bewegt werden können, wenn das Sonnenlicht
zu intensiv wird. Aus dieser Nähe erscheint die Sonne 23 Mal
breiter als von der Erde aus.

Oben: Ein
simulierter Anblick der Sonne, der die Bahn von Solar
Probe+,während ihrer multiplen Vorbeiflüge nahe der Sonne,
illustriert. [Größeres Bild
]
Die beiden Rätsel, welche diese Mission antreiben, sind
die hohe Temperatur der Korona der Sonne, und die
unglaubliche Beschleunigung des Sonnenwindes:
Rätsel #1—die Korona: Wenn man ein
Thermometer in die Oberfläche der Sonne stecken würde, würde
es etwa 6.000° C anzeigen. Die Erfahrung sagt uns, dass die
Temperatur mit steigendem Abstand zur Oberfläche sinken
sollte; stattdessen steigt sie an. Die äußere Atmosphäre der
Sonne, die Korona, hat eine Temperatur von einer Million
Grad Celsius, hunderte Male mehr als der Stern darunter.
Diese hohe Temperatur ist auch 60 Jahre nach ihrer
Entdeckung noch immer ein Rätsel.
Rätsel #2—der Sonnenwind: Die Sonne
speiht einen heißen, Millionen von km/h schnellen Wind aus
geladenen Teilchen in das Sonnensystem hinaus. Planeten,
Kometen, Asteroiden -- sie alle spüren ihn. Seltsamerweise
gibt es keinen organisierten Wind nahe der Sonnenoberfläche,
obwohl unter den Planeten ein wahrhafter Sturm bläst.
Irgendwo dazwischen gibt es einen unbekannten "Wirkstoff",
der dem Sonnenwind seine hohe Geschwindigkeit verleiht. Die
Frage ist, was?
"Um diese Rätsel zu lösen, wird Solar Probe+ in die
Korona der Sonne eintauchen", sagt Guhathakurta. "Dort
findet die Action statt."
Die Ausrüstung besteht hauptsächlich aus Instrumenten,
die gebaut wurden, die Umgebung des Raumschiffs zu
überwachen -- ein Magnetometer, einen Plasmawellen Sensor,
einen Staub Detektor, Elektronen- und Ionen Analysegeräte
und so weiter. "Messungen vor Ort werden uns zeigen, was wir
wissen müssen, um die Physik der koronalen Erhitzung und der
Beschleunigung des Sonnenwindes zu enträtseln", sagt sie.
Rechts: Das neu
entwickelte Solar Probe+ Raumschiff. [Mehr]
Das remote Aufnahmegerät von Solar Probe+ ist die
Hemisphärische Kamera. Die "HI" ist ein Teleskop, welches 3D
Bilder der Korona, ähnlich einem medizinischen
Computertomogramm, macht. Die Technik, genannt koronale
Tomographie, ist ein grundlegend neuer Ansatz der optischen
Untersuchung der Sonne. Möglich wird diese Art der
Fotografie nur durch eine sich bewegende Plattform, in der
Nähe der Sonne, die durch koronale Wolken fliegt und sie
fotografiert während sie an ihnen vorbei, und durch sie
hindurch fliegt.
Da der Start wahrscheinlich im Mai 2015 stattfinden wird,
beginnt Solar Probe+ seine Hauptmission nahe dem Ende von
Sonnenzyklus 24, und ist nahe dem vorhergesagten Maximum von
Sonnenzyklus 25, im Jahr 2022, fertig. Dies würde es dem
Raumschiff erlauben, die Korona und den Sonnenwind, während
vieler verschiedener Phasen des Sonnenzyklus zu untersuchen.
Es stellt auch sicher, dass Solar Probe+ eine große Zahl von
Sonnenstürmen, zum Ende der Mission hin, erleben wird.
Obwohl dies ein Risiko ist, entspricht dies dem Plan:
Forscher haben den Verdacht, dass viele der gefährlichsten
Teilchen, die während eines Sonnensturm produziert werden,
durch die Korona aufgeladen werden -- genau wo sich Solar
Probe+ befinden wird. Solar Probe+ wird vielleicht auch in
der Lage sein den Vorgang direkt zu beobachten, und den
Forschern aufzeigen, wie sie energiereiche Sonnenteilchen
(Solar Energetic Particls - SEPs) vorhersagen können, welche
die Gesundheit und Sicherheit von Astronauten gefährden.
Das wiederholte Eintauchen von Solar Probe+ in die
Korona, wird durch Vorbeiflüge an der Venus bewerkstelligt.
Das Raumschiff wird in sechs Jahren sieben Mal an der Venus
vorbeifliegen, und so die Bahn tiefer und tiefer in Richtung
Sonnenatmosphäre bringen. Bonus: Auch wenn Venus nicht das
Hauptziel der Mission ist, werden die Astronomen vielleicht,
mit Hilfe der gut ausgerüsteten Sonde, während der
Vorbeiflüge, neue Dinge über den Planeten lernen.
"Solar Probe+ ist eine außergewöhnliche Mission für
die Forschung, Entdeckung und das tiefe Verständnis", sagt Guhathakurta. "Wir
können es kaum erwarten zu starten."
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Author +
Editor:
Dr. Tony Phillips | Credit:
Science@NASA
Übersetzung + Editor:
Frank Erhardt (Astrolabium.Net)
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