Merkurs Magnetfeld ist "lebendig." Vulkanschlote
umgeben das riesige Caloris Basin des Planeten. Und Merkur
ist stärker geschrumpft als ehemals angenommen. Dies sind nur einige der neuen Entdeckungen, die NASAs
MESSENGER Raumschiff gemacht hat, das am 14. Januar 2008 am
Merkur vorbeiflog. Die Ergebnisse werden heute als
Serie von 11 Artikeln, in einer Spezialausgabe des Magazins
"Science", veröffentlicht. Sechs der Artikel berichten von Untersuchungen der
Planetenoberfläche -- der Farben, der Mineralogie und der
Form des Geländes. Das Bild unten zeigt beispielsweise
Hinweise auf Vulkanschlote, die sich entlang der Kanten des
Caloris Basins befinden, eines der größten und jüngsten Einschlagsbecken in unserem Sonnensystem: Oben: "Indem es Mariner 10 und MESSENGER Daten
kombinierte, war das wissenschaftliche Team in der Lage,
eine umfangreiche geologische Geschichte, des gesamten
Caloris Basins zu rekonstruieren", sagt James
Head von der Brown University, Autor einer der
Science Artikel. "Das Becken bildete sich durch den Einschlag eines
Asteroiden oder Kometen, während einer Zeit heftigen
Bombardements, während der ersten Milliarden Jahre in der
Geschichte des Sonnensystems. Genau wie bei den Meeren auf
dem Mond, folgte darauf eine Phase der vulkanischen
Aktivität, was Lavaflüsse verursachte, die das Becken
füllten. Der Vulkanismus ist für das vergleichsweise
leichte, rote Material verantwortlich, welches mit den
[neueren] Ablagerungen der Einschlagskrater vermischt ist." Die Entdeckung von Vulkanschloten um Caloris herum löst
eine alte Debatte unter Planetenwissenschaftlern auf: Werden
die glatten Ebenen auf Merkur, wie der Boden des Caloris
Basins, durch ausbrechende Lava oder einen anderen Prozess
hervorgerufen? Die Lava hat das Rennen gemacht. Eines der aufregendsten Ergebnisse hat mit Merkurs
Magnetfeld zu tun. Bis zu dem Zeitpunkt in den 1970er
Jahren, als Mariner 10 das Magnetfeld des Merkur entdeckte,
war die Erde der einzige bekannte, terrestrische Planet, von
dem man wusste, dass er ein globales Magnetfeld besitzt. Der
Magnetismus der Erde wird durch den heißen, flüssigen
Eisenkern, durch einen Mechanismus den man magnetischen
Dynamo nennt, hervorgerufen. Forscher waren verwundert über
das Magnetfeld von Merkur, weil man davon ausging, dass sein
Eisenkern schon vor langer Zeit ausgekühlt ist, und damit
aufhörte Magnetismus hervorzurufen. Einige Forscher
glaubten, dass das Feld vielleicht ein Überbleibsel der
Vergangenheit war, dass in der äußeren Kruste eingefroren
ist. MESSENGER Daten zeigen etwas anderes: Merkurs Magnetfeld
scheint durch einen aktiven Dynamo, im Kern des Planeten
erzeugt zu werden. Es ist kein Überbleibsel. "MESSENGERs Messungen deuten darauf hin, dass
Merkurs Magnetfeld, wie auch das der Erde, zumeist Bipolar
ist, was heißt, dass es einen magnetischen Nord- und Südpol
hat", sagt
Brian Anderson von der Johns Hopkins University Applied
Physics Laboratory (APL) in Laurel, Md. "Die Tatsache,
dass es Bipolar ist, und dass wir keine Hinweise auf
Anomalien bei kürzeren Wellenlängen fanden, was ein Zeichen
für eine magnetische Kruste gewesen wäre, unterstützt die
Theorie, dass wir es mit einem modernen Dynamo zu tun haben.
Wir sind gespannt auf den Vorbeiflug im Oktober und das Jahr
im Orbit, um zu schauen, ob dies auch anderswo auf dem
Planeten so ist, und wir bestätigen können, dass das Feld
vom Kern stammt." Merkurs Kern macht bis zu 60% seiner Masse aus, was
mindestens zweimal soviel ist, wie bei jedem anderen
Planeten. Die Abkühlung dieses übergroßen Kerns hat zu einer
bemerkenswerten Kontraktion des Planeten geführt, die sich
als klippen-artige "Falten", genannt gelappte Abhänge (Bild
Rechts), zeigen. Der leitende Forscher on MESSENGER, Sean
Solomon von der Carnegie Institution of
Washington, erklärt: "Die bestimmende tektonische Landform auf Merkur
sind gelappte Abhänge, riesige Klippen, welche die Spitzen
von Bruchlinien der Kruste bezeichnen, die sich während der
Kontraktion des Gebietes bildeten. Sie zeigen uns wie
wichtig der abkühlende Kern für die Entwicklung der
Oberfläche war. Nach dem Ende des heftigen Bombardements,
trieb die Abkühlung nicht nur den magnetischen Dynamo an,
sondern führte auch zu einer Kontraktion des gesamten
Planeten. Und die Daten vom Vorbeiflug zeigen, dass diese
Kontraktion mindestens ein Drittel größer war, als wir dies
vorher angenommen hatten." Der Vorbeiflug ermöglichte auch die ersten Beobachtungen
von geladenen Teilchen, in Merkurs einzigartiger Exosphäre.
Die Exosphäre ist eine ultra-dünne Atmosphäre, in der die
Moleküle so weit voneinander entfernt sind, dass sie eher
mit der Oberfläche des Planeten, als untereinander
kollidieren. Das Material in der Exosphäre stammt
hauptsächlich von der Oberfläche des Merkur selber, und
wurde durch Sonnenstrahlung, Bombardement des Sonnenwindes
und der Verdampfung von Meteoroiden herausgesprengt:
"MESSENGER war in der Lage, Merkurs Exosphäre in drei
Gebieten zu beobachten -- auf der Tagseite, an der Tag/Nacht
Grenze und entlang seines 40.000 km langen Natrium
Schweifs", sagt Bill McClintock von der University of Colorado. "Atome
aus Wasserstoff, Helium, Natrium, Kalium und Kalzium wurden
in der Exosphäre gefunden, und ganz sicher existieren dort
auch noch weitere Elemente. Diese Atome werden durch den
Druck der Sonnenstrahlung vom Merkur weg beschleunigt, und
bilden einen langen Schweif aus Atomen, welche sich von der
Sonne weg bewegen. Ihre Menge unterscheidet sich jedoch, je
nachdem ob es Nacht oder Tag ist, durch Effekte vom
Magnetfeld und dem Sonnenwind, und möglicherweise auch durch
den Breitengrad." "Merkurs Exosphäre ist bemerkenswert aktiv", sagt
er. Eine weitere wissenschaftliche Überraschung beinhaltet
Merkurs Magnetosphäre -- die magnetische Blase, welche den
Planeten umgibt. Thomas Zurbuchen von der University of
Michigan erklärt: "Merkurs Magnetosphäre enthält viele
[Arten geladener Teilchen], sowohl Atome als auch
Moleküle. Was eine Art 'Merkur Plasma Nebel' ist, ist
wesentlich komplexer als der Plasma Torus von Io, im Jupiter
System." Die Zusammensetzung des Nebels stimmt nicht mit der
des Sonnenwinds überein, was die Forscher darauf schließen
lässt, "dass dieses Material von der Oberfläche des Planeten
stammt. Diese Beobachtung bedeutet, dass durch diesen
Vorbeiflug, der erste Blick auf die Zusammensetzung der
Oberfläche geworfen werden konnte." "Wenn man sich den Planeten am Himmel anschaut,
sieht er aus wie ein einfacher Lichtpunkt", bemerkt der
MESSENGER Projektwissenschaftler Ralph McNutt vom APL. "Aber
wenn man Merkur, mit Hilfe von MESSENGERs 'Sinnen'
betrachtet, die bei unterschiedlichen Wellenlängen schauen,
seine magnetischen Eigenschaften fühlen und seine Oberfläche
berühren, erhält man ein komplexes System, und nicht bloß
einen Ball aus Felsen und Metall." "Es ist bemerkenswert, dass diese Menge an Daten aus
nur zwei Beobachtungstagen, lediglich 30 Minuten Messungen
der Magnetosphäre und Exosphäre des Planeten, und weniger
als zehn Minuten Höhenmessungen und Sammlung weitere Daten,
zum Zeitpunkt der größten Annäherung, stammen", fügt Solomon
hinzu. "MESSENGERs Vorbeiflug war ein großer Erfolg." Und dies ist erst der Anfang. Zwei weitere Vorbeiflüge
sind für Oktober 2008 und September 2009 geplant. Dann, im
Jahr 2011, wird MESSENGER in eine Umlaufbahn um Merkur
einschwenken. Es liegen aufregende Zeiten vor uns. Bleiben
Sie dran für Updates auf Science@NASA.

Autor:
Dr. Tony Phillips | Credit:
Science@NASA
Übersetzung + Editor:
Frank Erhardt (Astrolabium.Net)
| Weitere Informationen | ||
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Überraschungen vom Merkur (Science@NASA) Vorbeiflug am Merkur schafft Voraussetzung für neue Entdeckungen (Science@NASA) The MESSENGER project is the seventh in NASA's Discovery Program of low-cost, scientifically focused space missions. The Applied Physics Laboratory designed, built and operates the spacecraft and manages the mission for NASA. MESSENGER stands for MErcury Surface, Space ENvironment, GEochemistry and Ranging. NASA's Future: The Vision for Space Exploration |
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