22. April
2008:
Beim diesjährigen Großen Mondbuggy-Rennen in Huntsville, Alabama, scherzte Prof. Paul Shiue von der Christian Brothers University, dass Isolierband das beste "technische Werkzeug" seines Teams war. Andere sahen dies genauso. Das Geräusch vom Isolierband, wie es von den Rollen abgerollt wird, erfüllte praktisch die gesamte Rennstrecke, da dutzende von College und Highschool Schülern eifrig bastelten und ihre selbst gemachten Mondbuggys reparierten.
Sie
wussten zumeist nicht, dass sie einer alten Tradition bei
der Erforschung des Mondes folgten. Wenn wir die Uhr einmal
um 36 Jahre zurückdrehen, sehen wir welche Schlüsselrolle
Isolierband in NASAs Apollo Programm gespielt hat:
Das Datum
war der 11. Dezember 1972. Die Astronauten Gene Cernan und
Jack Schmitt hatten gerade ihre Mondlandefähre Challenger in
einem wunderschönen, von Bergen umgebenen Tal mit dem Namen
Taurus-Littrow, gelandet, das am Rand des Meeres der
Heiterkeit liegt. Die Missionsplaner wählten diese Stelle
aufgrund ihrer geologischen Vielfalt aus: Der Boden war mit
einem Mix aus großen Felsbrocken, erstarrter Lava,
orangefarbenen Glaskügelchen (ein Zeichen für Feuervulkane in
der Vergangenheit) und, natürlich, dem allgegenwärtigen
Mondstaub, bedeckt. Das Tal selber wurde als Folge eines Asteroiden
Einschlags vor Milliarden von Jahren gebildet; die
Geschichte des Mondes ist, wie viele vermuten, vielleicht an
seinen Wänden aufgezeichnet. Jack Schmitt, der erste Geologe
auf dem Mond, konnte es kaum erwarten anzufangen.
Oben:
Apollo 17 Astronauten und Mondbuggy im Taurus-Littrow Tal.
[Mehr]
Etwa 60 Sekunden nach der Landung funkte Schmitt nach Houston, "die Batterien sehen gut aus", gefolgt von einer kurzen Pause und "Oh man!! Schau Dir den Felsen dort an!"
Innerhalb
von Stunden waren die Astronauten die Leiter hinunter
gestiegen und luden jede Menge geologischen Gerätes und
Experimenten auf ihr Fahrzeug, oder "Mondbuggy." Alles lief
glatt, bis Cernan gegen den Rover stieß; ein Hammer in der
Schienenbeintasche seines Raumanzugs erwischte das hintere,
rechte Schutzblech des Buggys und riss etwa die Hälfte davon ab.
Cernan:
"Oh. Du wirst es nicht glauben. Das war das Schutzblech."
Schmitt:
"Oh, Verdammt!"
Nun kann ein Mondbuggy in Alabama auch
ohne Schutzblech hervorragend funktionieren. In Taurus-Littrow
war ein fehlendes Schutzblech allerdings eine potentielle
Katastrophe. Der Grund ist der Mondstaub. Wenn ein Rover
über die Mondoberfläche rollt, wirbelt er Mondstaub auf
seinem Weg auf. (Die Astronauten nannten dies
"Hahnen-Schwanz.") Ohne Schutzblech würde der Rover geduscht
werden von einem dunklen, aggressiven Kies. Weiße
Raumanzüge, die durch Staub geschwärzt werden, könnten sich
in gefährliche Speicher für die heftig strahlende Sonne
verwandeln und die Astronauten in Inneren überhitzen lassen.
Scharfkantiger Staub von Visieren gewischt würde das Glas
zerkratzen, was die Sicht behindert. Mondstaub hatte auch
die unheimliche Eigenschaft einen Weg in Scharniere, Gelenke
und Anschlussstücke zu finden, und sie damit nutzlos zu
machen.
Oben: Das
Cernan: "Und ich hasse es zu sagen, aber ich brauche etwas Zeit zu versuchen ...
das Schutzblech wieder anzubringen. Jack, erinnerst Du Dich, ob das Isolierband unter meinem Sitz ist?" (Er meint eine Rolle gewöhnliches, graues Isolierband.)
Schmitt: "Ja."
Cernan: "Okay. Ich kann nicht behaupten, dass ich sehr fit darin bin
Schutzbleche zu reparieren. Aber ich werde auf keinen Fall ohne losfahren. Ich werde einfach ein paar Stückchen vom guten alten grauen amerikanischen Isolierband darauf befestigen ... (und) schauen ob es hält."
Trotz seiner dicken Handschuhe schaffte es Cernan die benötigten Stückchen abzurollen. Der Mondstaub ließ allerdings seinen ersten Reparaturversuch scheitern:
Cernan: " ... das gute alte graue Band heftete nicht sehr
gut." (Auf einer Pressekonferenz nach der Reise erklärte er:
"Da sich überall Staub befand, klebte, sobald man ein
Stückchen abgerissen hatte, als erstes Staub daran; und dann
klebte es nirgendwo mehr dran.")
Sein zweiter Versuch gelang jedoch. "Ich bin fertig!" rief
Cernan. "Wenn dieses Schutzblech hält ... hätte ich gerne eine
Art Reparatur-Orden." Und dann fuhren sie los.
Die nächsten vier Stunden fuhren sie mit dem Mondbuggy eine
weite Strecke um die Landestelle herum, hielten an,
bohrten Löcher und sammelten Bodenproben, verteilten
seismische Ladungen und installierten weitere Experimente.
Selbst mit allen vier Schutzblechen musste Cernan den Rover
bei jedem Halt entstauben (die Missionsplaner stellten dafür
eine spezielle
Mondstaub Bürste zur
Verfügung). Dies dauerte kostbare Minuten, hätte aber
schlimmer sein können, was sie noch entdecken sollten.
Rechts:
Gene Cernan arbeitet mit seiner Rolle Isolierband.
Klicken Sie um einen längeren Film mit Ton zu sehen.
Schmitt:
"Ich glaube wir haben unser Schutzblech verloren. Es regnet
hier (Mondstaub)."
Cernan:
"Oh nein!"
Schmitt:
"Schau nach unserem Hahnen-Schwanz."
Ständige
Stopps erforderten eine beträchtliche Mehrplanung. "Lass
mich schnell herumrennen und entstauben!" funkte Cernan,
während Schmitt das Surface Electrical Properties (SEP)
Experiment aufbaute. In einer Besprechung nach dem Flug
sagte er, "Der Staub auf den Batterieabdeckungen und allem
anderen war dick genug um darauf zu schreiben. Auch mit funktionierenden Schutzblechen hatte man ständig einen
leichten Staubfilm; aber das war 'Dreck' Staub."
Zurück bei der Challenger untersuchte Cernan den
Rover genauer. "Oh man, es wird uns ein halbes Dutzend
Sonntage kosten das zu entstauben. Schau Dir dieses
Schutzblech an; das ist schrecklich. dieses eine Schutzblech
erzeugte gerade eine neue Dimension des Staubproblems."
In
Houston erfassten die NASA Techniker sofort die
Ernsthaftigkeit dieser Situation. Wenn sie nicht während
Cernan und Schmitt schliefen eine Lösung fänden, würde
dies die Forschungen des nächsten Tages stark
beeinträchtigen. Die Astronauten wären vielleicht sogar
nicht in der Lage die geplanten Entfernungen zurückzulegen.
Rechts:
Aber sie fanden eine Lösung und sie basierte auf, Sie haben
es erraten, Isolierband.
Als Cernan und Schmitt am nächsten Morgen aufwachten,
erklärte ihnen die Missionskontrolle wie sie vier laminierte
Karten zusammenkleben sollen, welche die Form des verlorenen
Schutzblechs haben. "Nennt mich einen kleinen, alten
Schutzblechmacher", sagte Cernan, als er die Stückchen des
grauen Isolierbandes abriss. Dieses Mal wurde die Arbeit in
der relativ staubfreien Umgebung des Mondlanders
durchgeführt, so dass das Isolierband seine Haftfähigkeit
behielt. Befestigt am Mondbuggy hielt das neue Schutzblech
für den Rest der Mission, die weitere 15 Stunden EVAs
beinhaltete.
Eine Staubdusche war genug, um bei Schmitt einen bleibenden
Eindruck zu hinterlassen. Zurück auf der Erde vertrat er die
Auffassung, dass "das Staubproblem eines ist, dass auf jeden
Fall angegangen werden muss. Es wird das größte Problem in
der Umgebung des Mondes, bei zukünftigen Missionen zum Mond
sein."
Zurück zur Zukunft: Derzeit bereitet sich die NASA auf eine
Rückkehr zum Mond vor, und Staub hat eine hohe Priorität
dort. NASA Wissenschaftler führen mit Apollo Proben von
Mondstaub Experimente durch, um Techniken für eine
"Mondstaub Vermeidung" zu entwickeln. Das NASA Raumschiff
LADEE beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema
Mondstaub. Als Kurzform für Lunar Atmosphere and Dust
Environment Explorer, wird LADEE den Mond 2011 oder 2012
umkreisen, und nach "Staubstürmen" Ausschau halten, von
denen man glaubt, dass sie auftreten wenn elektrostatisch
aufgeladener Mondstaub über der Mondoberfläche schwebt.
Wenn Astronauten der nächsten Generation auf den Mond
reisen, werden sie eine Menge mehr über Mondstaub wissen als
ihre Apollo Vorgänger. Aber Sie können drauf wetten, dass
sie ein Ding mitnehmen werden -- "das gute alte, graue
amerikanische Isolierband."
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Author & Editor:
Dr. Tony Phillips | Credit:
Science@NASA
Übersetzung:
Frank Erhardt (Astrolabium.Net)
| Weitere Informationen |
|
Apollo Chroniken: "Mondstaub und Isolierband" ist die fünfte Episode der Science@NASA Apollo Chroniken:
Thanks: The author would like to thank Eric Jones who penned the Apollo Lunar Surface Journal, a must-read for historians of the Apollo program. Many of the radio transmissions and recollections reported in this story come straight from the Journal. Fender Facts: The piece of fender accidentally broken off by Gene Cernan was a "retractable fender extension." Fenders had to retract so that the moonbuggy could be folded up in a compact storage space during its trip from Earth to Moon. The fender extension that Cernan first taped back on to the moonbuggy and that later fell off was never recovered; it is still on the Moon. The other three fenders and the replacement "map fender" were brought back to Earth. Two fenders are on display at the Kansas Cosmosphere museum in Kansas; one fender plus the map are on display at the Smithsonian National Air and Space Museum in Washington, DC: more. NASA's Future: US Space Exploration Policy |
Leserkommentare |
Kommentare
franjo 28 Apr 2008, 08:21
na, danke fürs neue gesicht und dessen aufwand, der damit verbunden
war/ist!
habe ps-technisch o-ahnung, benutze nur und bin erstaunt darüber, wieviel korrektur und verbesserung noch immer möglich ist!!!
franjo 28 Apr 2008, 08:21
na, danke fürs neue gesicht und dessen aufwand, der damit verbunden
war/ist!
habe ps-technisch o-ahnung, benutze nur und bin erstaunt darüber, wieviel korrektur und verbesserung noch immer möglich ist!!!
franjo 28 Apr 2008, 08:20
na, danke fürs neue gesicht und dessen aufwand, der damit verbunden
war/ist!
habe ps-technisch o-ahnung, benutze nur und bin erstaunt darüber, wieviel korrektur und verbesserung noch immer möglich ist!!!
christian 23 Apr 2008, 06:56
Sehr schönes neues Design!
motoazze 22 Apr 2008, 22:15
Umwerfend das neue Outfit, vielen Dank für diese regelmäßigen News, sie
sind mir wichtiger als die Tageszeitung. Danke
StephanPsy 22 Apr 2008, 22:05
Danke für die regelmäßigen Informationen, und dickes Lob für das neue
Design !
Ulli 22 Apr 2008, 20:30
Super Arbeit,
danke für die neue schönere und praktischere Seite :-)
helmut 22 Apr 2008, 12:46
Glückwunsch zum neuen Outfit - übersichtlich, praktisch und sieht auch
noch gut aus
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