17. April
2008:
Schauen Sie sich den Vollmond an. Alte Krater
und gefrorene Seen aus Lava, liegen bewegungslos unter einem
luftlosen und stillen Himmel. Es ist eine Welt die sich im
Zeitlupentempo bewegt und wo sogar der Fußabdruck eines
Menschen Millionen von Jahre sichtbar bleibt. Es scheint
dort oben nichts zu passieren. Richtig Falsch "Das
Magnetfeld der Erde dehnt sich bis weit über den Orbit des
Mondes hinaus aus, und einmal im Monat fliegt der Mond
hindurch", sagt Tim Stubbs,
ein Wissenschaftler von der University of Maryland,
der am Goddard
Space Flight Center arbeitet. "Dies kann von lunaren
'Staubstürmen' bis hin zu elektrostatischen Entladungen
führen."
Oben:
Der Vollmond im März
2008 innerhalb des Schweifs des Erdmagnetfeldes
Ja, die Erde hat einen magnetischen
Schweif. Es ist eine Fortsetzung des bekannten Magnetfeldes,
dass wir jeden Tag mit einem Kompass erleben können. Unser
gesamter Planet ist von einer magnetischen Blase
umschlossen, die von einem geschmolzenen Dynamo im Kern der
Erde stammt. Im All drückt der Sonnenwind gegen diese Blase
und dehnt sie, was einen langen magnetischen Schweif, einen
"Magneto-Schweif", in Windrichtung hervorruft:
Diagramm.
Jeder kann es sehen wenn sich der Mond innerhalb des
Magneto-Schweifs befindet. Schauen Sie einfach: "Wenn
Vollmond ist, befindet er sich innerhalb des
Magneto-Schweifs", sagt Stubbs. "Der Mond tritt drei
Tage bevor er voll ist in den Magneto-Schweif hinein, und es
dauert etwa sechs Tage um ihn zu durchqueren, und auf der
anderen Seite wieder auszutreten."
Während dieser sechs Tage können seltsame Dinge geschehen.
Rechts: Die Umlaufbahn des Mondes kreuzt
den Magneto-Schweif der Erde.
Während
der Durchquerung kommt der Mond mit einer riesigen
"Plasmaschicht" aus heißen, geladenen Teilchen in
Verbindung, die im Schweif gefangen sind. Die leichtesten
und beweglichsten dieser Teilchen, Elektronen, prasseln auf
die Oberfläche des Mondes und geben ihm eine negative
Ladung.
Auf der Tagseite des Mondes wird dieser Effekt zum Teil
durch das Sonnenlicht wieder ausgeglichen: UV Photonen
schlagen Elektronen aus der Oberfläche heraus, was die
Aufladung auf einem relativ niedrigen Level hält. Aber auf
der Nachtseite, in der kalten Mondnacht, sammeln sich
Elektronen an und Spannungen können auf hunderte oder
tausende von Volt ansteigen.
Wenn sie über die staubige, geladene Mondoberfläche laufen,
werden die Astronauten vielleicht knistern wie ein Strumpf
der aus einem warmen Trockner gezogen wird. Die Berührung
eines anderen Astronauten, eines Türgriffes, eines
empfindlichen Teils Elektronik -- jede dieser einfachen
Handlungen könnte einen unangenehmen zap hervorrufen.
"Eine gute Erdung wird auf jeden Fall empfohlen", rät Stubbs.
Noch seltsamer ist es, dass sich der Mondstaub vielleicht zu
einer Art durchsichtigem Wind sammelt. Angetrieben durch die
Unterschiede bei der globalen Ladungsverteilung, würde der
schwebende Staub von der stark-negativen Nachtseite hin zur
schwach-negativen Tagseite fliegen. "Die Auswirkungen dieser
"Staubstürme" wären an der Schattengrenze, der Trennlinie
zwischen Tag und Nacht, am stärksten.
Vieles davon ist reine Spekulation warnt Stubbs. Niemand
weiß mit Sicherheit was auf dem Mond passiert, wenn er den
Magneto-Schweif trifft, weil niemand zu dieser Zeit jemals
dort war. "Die Apollo Astronauten landeten niemals auf einem
Vollmond und erlebten den Magneto-Schweif daher auch nicht."
Die besten direkten Hinweise stammen von NASAs Lunar Prospector
Raumschiff, das den Mond in den Jahren 1998-99 umkreiste und
viele dieser Magneto-Schweif Kreuzungen beobachtete. Während
einiger dieser Kreuzungen zeichnete das Raumschiff große
Änderungen in der Ladung auf der Nachtseite auf, die dann
typischerweise von -200 V auf -1000 V anstiegen", sagt Jasper Halekas
von der UC Berkeley, der die 10 Jahre alten Daten untersucht
hat.
Oben:
Im Jahre 1968 fotografierte NASAs Surveyor 7 Lander bei
mehreren Gelegenheiten nach Einbruch der Dunkelheit ein
seltsames "Glühen am Horizont." Forscher glauben nun, dass
dieses Glühen Sonnenlicht ist, das von elektrisch geladenem
Mondstaub, der direkt über der Oberfläche schwebt, gestreut
wird. "Es
ist wichtig anzumerken", sagt Halekas, "dass die
Plasmaschicht (woher alle Elektronen stammen) eine sehr
dynamische Struktur ist. Die Plasmaschicht befindet sich in
ständiger Bewegung und flattert ständig hoch und runter.
Wenn also die Umlaufbahn des Mondes durch den
Magneto-Schweif führt, kann die Plasmaschicht immer und
immer wieder über ihn hinwegfegen. Abhängig von der Dynamik
der Dinge, können wir dem Plasmaschild während einer
Begegnung mehrmals ausgesetzt sein, während der Mond durch
den Magneto-Schweif fliegt, wobei die Begegnungen Minuten,
Stunden oder sogar Tage dauern können." "Sie
können sich daher vorstellen wie dynamisch die geladene
Umgebung auf dem Mond ist. Der Mond kann sich einfach in
einem ruhigen Teil des Magneto-Schweifs befinden und
plötzlich fegt das ganze Plasma über ihn hinweg und führt zu
einem Anstieg des Potentials auf der Nachtseite bis zu einem
Kilovolt. Dann fällt es genauso schnell wieder ab."
Die Achterbahn der Ladung wäre während Sonnen- und
geomagnetischen Stürmen auf ihrem Höhepunkt. "Die ist eine
sehr bewegte Zeit für die Plasmaschicht und wir müssen
untersuchen was dann passiert", sagt er.
Was geschieht dann? Die Astronauten der nächsten Generation
werden es herausfinden. Die NASA kehrt in den kommenden
Jahrzehnten zum Mond zurück und plant einen dauerhaften
Außenposten. Auch dort wird man den Magneto-Schweif
untersuchen.
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Der Boden springt vielleicht in der Zwischenzeit nach oben.
Es gibt zwingende Hinweise (z.B. auf dem Surveyor 7 Bild
unten), dass feine Teilchen Mondstaub, wenn sie genügend
aufgeladen werden, tatsächlich über der Mondoberfläche
schweben. Dies könnte eine vorübergehende Nachtatmosphäre
aus Staub schaffen, welche Raumanzüge schwärzt, Maschinen
verklebt, Visiere zerkratzt (Mondstaub ist sehr aggressiv)
und das Leben grundsätzlich schwierig macht für die
Astronauten.
Author & Editor:
Dr. Tony Phillips | Credit:
Science@NASA
Übersetzung:
Frank Erhardt (Astrolabium.Net)
| Weitere Informationen |
|
Sonnenwind vs. Magneto-Schweif: Der
Magneto-Schweif der Erde ist nicht die einzige
Plasmaquelle, die den Mond aufladen kann. Der Sonnenwind
kann ebenfalls geladene Teilchen liefern; tatsächlich
ist der
Sonnenwind
sogar die meiste Zeit die Hauptquelle. Aber wenn der
Mond in den Magneto-Schweif eintritt, wird der
Sonnenwind zurückgedrängt und die Plasmaschicht
übernimmt. Die Plasmaschicht ist etwa 10-Mal heißer als
der Sonnenwind, was mehr "Druck" auf die Änderung der
Ladung auf dem Mond ausübt. Zwei Millionen Grad heiße
Elektronen in der Plasmaschicht rasen wie verrückt herum
und treffen in großen Mengen auf die Mondoberfläche.
Elektronen im Sonnenwind sind
mit nur 140.000 Grad
relativ kalt, und es finden weniger davon ihren Weg nach
unten, hin zur schattigen Mondoberfläche auf der
Nachtseite.
Springbrunnen auf dem Mond -- (Science@NASA) Wenn Astronauten in einigen Jahren zum Mond zurückkehren, treffen sie vielleicht auf elektrifizierte Springbrunnen und andere seltsame Dinge.
Mondstaub im Wind -- (Science@NASA) Mond Stürme -- (Science@NASA) Ein altes Apollo Experiment zeigt Forschern etwas Neues und Überraschendes über den Mond. Apollo Chroniken Teil III: Der Geruch von Mondstaub -- (Science@NASA) Lange nachdem der letzte Apollo Astronaut den Mond verlassen hat, besteht ein Rätsel fort: Warum riecht Mondstaub nach Schießpulver? NASA's Future: US Space Exploration Policy |
Leserkommentare |
Kommentare
Bernd K. 17 Apr 2008, 21:53
Toller Bericht
Eure Seiten sind wirklich empfehlenswert Dank an alle die daran Arbeiten
H.Nossek 17 Apr 2008, 20:19
Erstaunliche und spannende Infos.
Danke für die Übersetzung
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