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15. Mai 2008:
Gebogene Oberflächenstrukturen auf Jupiters Mond Europa
deuten vielleicht darauf hin, dass die Pole um fast 90°
gewandert sind. Forscher glauben, dass diese drastische
Verschiebung in Europas Rotationsachse, ein Ergebnis der
Bildung von dicken Eisschichten an den Polen war. "Ein
rotierender Körper ist am stabilsten, wenn sich seine Masse
am weitesten von seiner Drehachse entfernt befindet", sagt Isamu Matsuyama
vom Carnegie Institution’s Department of Terrestrial
Magnetism. “Auf Europa haben Veränderungen in der Dicke der
äußeren Hülle eine Massen Instabilität hervorgerufen, so
dass sich die Rotationsachse neu ausgerichtet hat, um
sich
wieder in einem stabilen Zustand zu befinden." Eine extreme
Verschiebung wie diese, deutet auch auf einen internen,
flüssigen Ozean hin, der sich unter der vereisten Kruste
befindet.
 Rechts:
Gebogene Rinnen (schwarze und weiße Pfeile) erstrecken sich
auf Jupiters Mond Europa über hunderte von Kilometern.
Credit: P. Schenk/NASA/LPI
Das Forscherteam nutzte Bilder von Voyager, Galileo und dem
New Horizons Raumschiff, um mehrere bogenförmige Rinnen, die
sich mehr als 500 Kilometer über Europas Oberfläche
ausbreiten, zu kartographieren. Mit einem Radius von fast
1.500 Kilometern ist Europa etwas kleiner als der Erd-Mond.
Durch einen Vergleich der Muster dieser Rinnen mit den
Brüchen, die durch die Spannung, ausgelöst durch die
Verschiebung der Rotationsachse, entstehen, konnten die
Forscher bestimmen, dass sie um etwa 80° gewandert sein
muss. Die bisherige Rotationsachse befindet sich nun etwa
10° vom derzeitigen Äquator entfernt.
Solch eine Veränderung wird "echte Polwanderung" genannt,
im Gegensatz zu scheinbaren Polwanderungen, die durch
Plattentektonik ausgelöst werden. Es gibt auch Hinweise für
echte Polwanderungen auf der Erde, wie auch auf dem Mars und
Saturns Mond Enceladus. “Unsere Untersuchung fügt Europa
dieser Liste hinzu", sagt Matsuyama. “Es zeigt sich, dass
Planetenkörper mehr zu einer Neuorientierung neigen, als wir
dies angenommen hatten."
Die Untersuchung läßt auch Schlussfolgerungen über
flüssiges Wasser innerhalb von Europa zu. Viele
Wissenschaftler glauben, dass Europa einen ausgedehnten
Ozean unter seiner Oberfläche beherbergt. Diese Annahme
beruht auf Fotos, die eine zerbrochene, vereiste Oberfläche
zeigen. Der Ozean unter der Oberfläche würde durch die
Hitze, welche von den Gezeitenkräften von Jupiters
Gravitation generiert wird, flüssig gehalten. Die Gegenwart
von Hitze und Wasser ermöglicht Leben, selbst wenn der
unterirdische Ozean von der Sonnenenergie abgeschnitten ist.
“Diese große Neuausrichtung auf Europa, die für eine
Erklärung der kreisförmigen Rinnen erforderlich ist, legt
nahe, dass seine äußere Hülle von einem Kern aus flüssigen
Wasser abgekoppelt ist", sagt Matsuyama.
“Aus diesem Grund liefert unsere Untersuchung einen
unabhängigen Test für das Vorhandensein von internem,
flüssigen Wasser."
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Credit:
EurekAlert
Übersetzung + Editor:
Frank Erhardt (Astrolabium.Net)
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