24. April
2008: Im Kern von vielen Galaxien schießen supermassive
Schwarze Löcher Jets mit nahezu Lichtgeschwindigkeit in den
Weltraum. Wie genau dies vor sich geht war lange Zeit eines
der großen Geheimnisse der Astrophysik. Die Theorie sagt,
dass Teilchen von verdrehten Magnetfeldern, die sich in der
Nähe des Schwarzen Lochs befinden, beschleunigt werden. Eine
Bestätigung dieser Theorie erforderte jedoch einen schwer
fassbaren Blick auf das Innenleben des Jets. Jetzt hat die
konkurrenzlos hohe Auflösung des National Radio Astronomy
Observatorys
Very Long Baseline Array (VLBA) Astronomen in die Lage
versetzt zu beobachten, wie sich das Material gleich einem
Korkenzieher auf seinem Pfad bewegt, und sich genauso
verhielt wie von der Theorie vorhergesagt. "Wir haben den bisher besten Blick auf die innerste Region
des Jets bekommen, wo die Teilchen ursprünglich beschleunigt
werden. Alles was wir sahen unterstützte die Idee, dass
verdrehte, gespulte Magnetfelder das Material nach außen
beschleunigen", sagte Alan Marscher von der Boston University,
Leiter eines internationalen Forschungsteams. "Dies ist ein
großer Fortschritt für unser Verständnis dieses Prozesses,
der im ganzen Universum stattfindet", fügt er hinzu. Rechts: Konzept eines Künstlers des Gebietes nahe einem
Schwarzen Loch, wo verdrehte Magnetfelder Jets antreiben und
formen. Credit: Marscher et al., Wolfgang Steffen,
Cosmovision, NRAO/AUI/NSF Marschers Team untersuchte eine Galaxie mit dem Namen BL Lacertae (BL
Lac), die sich etwa 950 Millionen Lichtjahre von der Erde
entfernt befindet. BL Lac ist ein
Blazar, die energiereichste Art von Galaxienkernen, in
denen sich ein Schwarzes Loch befindet. Ein Schwarzes Loch
ist eine Konzentration von Masse die so hoch ist, dass
nicht einmal Licht seiner Anziehungskraft entgehen kann.
Supermassive Schwarze Löcher in Galaxienkernen lassen auch
in ähnlichen Objekten, wie Quasaren und Seyfert Galaxien,
Teilchen-Jets und intensive Strahlung entstehen. Material welches vom Schwarzen Loch angezogen wird,
bildet eine flache, rotierende Scheibe, genannt
Akkretionsscheibe. Wenn das Material von der äußeren Kante
der Scheibe zu ihrer inneren Kante wandert, werden die
senkrecht zur Scheibe stehenden Magnetfeldlinien verdreht
und bilden ein eng verspultes Bündel von dem Astronomen
annehmen, dass es die Teilchen antreibt und zusammenhält.
Näher dran ist der Raum, inklusive der Magnetfelder, durch
Anziehungskraft und Drehung des Schwarzen Lochs selber,
verdreht. Theoretiker sagten voraus, dass Material auf seinem Weg
nach außen, in dieser Region dem Pfad eines Korkenziehers,
innerhalb des verdrehten Magnetfelds, folgen würde. Sie
sagten auch voraus, dass Licht und andere Strahlung, die von
dem bewegten Material abgegeben wird, heller würde, wenn
deren Pfad in Richtung Erde zeigte. Marscher und seine Kollegen sagten voraus, dass es später
auch einen Flare geben würde, wenn das Material einige Zeit
nach Verlassen des Beschleunigungsgebietes eine feststehende
Schockwelle, genannt "Kern", treffen würde. "Das ist genau was wir beobachteten", sagte Marscher,
als sein Team einem Ausbruch von BL Lac folgte. Ende 2005
und Anfang 2006 beobachteten die Astronomen BL Lac mit einer
internationalen Ansammlung von Teleskopen, als ein
Materialknoten vom Jet nach draußen abgegeben wurde. Als das
Material aus der Nachbarschaft des Schwarzen Lochs heraus
beschleunigte, konnte das VLBA seinen Ort feststellen,
während andere Teleskope die Eigenschaften der Strahlung,
die vom Knoten abgegeben wurde, maßen. Helle Ausbrüche von Licht, Gammastrahlen und
Röntgenstrahlen tauchten genau dort auf, wo die Theorie
vorhergesagt hatte, solche Ausbrüche zu sehen. Zusätzlich
drehte sich die Ausrichtung der Radio- und Lichtwellen
zueinander -- eine Eigenschaft die man Polarisierung nennt
-- als der Knoten dem Korkenzieher-Pfad innerhalb der
verdrehten Magnetfelder folgte. "Wir bekamen einen noch nie dagewesenen Ausblick auf
den inneren Teil einer dieser Jets und erhielten
Informationen, die sehr wichtig für das Verständnis
der Funktionsweise dieser gewaltigen Teilchenbeschleuniger
sind", sagte Marscher.
Diesen
Artikel weiterempfehlen
Credit:
Übersetzung + Editor:
Frank Erhardt (Astrolabium.Net)
| Leserkommentare |
Kommentare
Bernd K. 25 Apr 2008, 21:19
Super Artikel
Ein Dankeschön an Frank Erhardt für die Übersetzung.
Powered by Scriptsmill Comments Script
|


RSS Newsfeed