Rennen im Regen

4. April 2008 - Huntsville: Ein heißes Rennen im kalten Nass

 

Philipp Hanstein (Telemetrie)

Dann kommt endlich der erlösende Funkspruch das es losgegangen ist. Wir sind im Rennen. Auf meinem Bildschirrn tut sich was. Kurz darauf sehe ich Andrij und Reshma in voller Fahrt über die Obstacles den Berg hoch rasen. Zufrieden sehe ich das sie keinerlei Probleme haben die ich bei den anderen Teams so oft beobachten konnte. Ich feure sie an bis sie hinter der Puerto-Rico-Kurve ohne Probleme verschwinden. Sofort kehre ich an die Telemetrie zurück und überwache den weiteren Verlauf des Rennens.

Plötzlich durchfährt es mich eiskalt. Zuerst denke ich es ist nur eine Störung im Funkverkehr doch dann muss ich erkennen dass sich das Buggy nicht mehr bewegt. Ich kann die Telemetrie nicht verlassen und es ist grad niemand mit einem Funkgerät in Nähe um etwas sehen zu können. Ich kann nur die Leute sehen die an der Stelle versammelt sind an der das Buggy steht. Langsam fragt auch Markus nach was los sei. Ich kann im nur das wenige berichten was ich weiß. Da endlich sehe ich auf der Telemetrie dass sich das Buggy wieder bewegt. Aber viel zu langsam und es bleibt immer wieder stehen. Markus verlässt jetzt seinen Posten, um zu sehen können was los ist. Da kann ich kurz auf der Anfahrt zum Krater das Buggy sehen. Der Anblick ist ernüchternd. Andrij schiebt. Nach ein wenig Zeit biegen sie wieder auf die Zielgrade und ich muss sehen dass nun beide schieben. Trotzdem feuere ich sie natürlich an. Soviel ist klar, das Rennen ist gelaufen.

Rechts: „Knack“ hört man es laut und dann erschrockene Gesichter, beide Kreuzgelenke sind durch.

Verärgert stelle ich die Telemetrie ab und lasse mir über Funk alles erzählen. Das Wetter passt viel zu gut zu meiner Stimmung. Als Herr Heckel vorbeikommt hält er mit Galgenhumor ein gebrochenes Kreuzgelenk in die Höhe. Die Zeit die wir „gefahren“ sind interessiert mich schon gar nicht mehr. Hundert Leute bekunden mir ihr Mitleid aber das kann mich nicht trösten. Bei der Teambesprechung stellen wir fest dass es uns allen so geht. Deprimiert stellen wir das Buggy unter das Zelt und gehen essen.

 

Peggy Zinsmeyer (zweite Fahrerin)

Wir sind ziemlich fertig mit den Nerven. Schließlich ist noch ein Rennen offen und unser Buggy fährt nicht mehr. Reshma und ich holen die Jungs von der Telemetie ab und treffen unterwegs jemanden von der Highschool „Center of Technologie“ die uns fragen ob alles in Ordnung ist. Wir erzählen ihnen alles und die wollen uns unbedingt helfen. Wir gehen mit ihnen zu unserem Buggy. Im Team gibt es Diskussionen, ob ein zweites Rennen überhaupt noch möglich ist. Es fehlt ein Teil. Das muss irgendwo auf der Strecke liegen und ist nicht zu finden. Doch Andrij gibt nicht auf. Er sucht alle Schotterberge auf der Strecke ab. Dabei findet er alle möglichen Teile anderer Buggys. Man könnte daraus fast noch einen Buggy bauen. Doch dann ist unser halbes Kreuzgelenk dabei. Also kommen wir noch dazu unseren Buggy halb zu reparieren. Da ist ein Pit-Stop, ein Werkstattwagen mit allen Werkzeugen, die man sich wünschen kann. 3 Zelte bilden drei Reparaturboxen.

 

Ralf Heckel (Teamleiter)

Ich sehe mir den Schaden an. Da ist mit normalem Menschenverstand eines Mechanikers nichts mehr zu machen. Die beiden äußeren Kreuzgelenke sind hin. Sie sind wie Butter auseinander gebogen. Die dazu gehörenden Keilwellen sind mit samt den Resten der Kreuzgelenke herausgefallen. Eines konnte ich aufheben. Aber das ist sehr hin. Wie das andere aussieht weiß ich nicht. Das ist weg. Wo die winzigen Stahlstifte aus den Gelenken sein könnten, weiß niemand.  Diese mit viel Mühe bei den Drehereien Wittenbecher und Günther Jakob gefertigten Präzisionsteile haben wir nicht mit und es ist unmöglich, einen passenden Ersatz hier zu finden. Unsere Teile haben metrische Maße in Meter und Millimeter, die in Amerika werden nach Inch und Zoll berechnet. Da passt nicht die kleinste Schraube und schon gar nicht eine Präzisions-Keilwelle. Unsere Teile müssen irgendwo im Schotter auf der Rennstrecke liegen – eine Nadel im Heuhaufen. Und dieser Heuhaufen verwandelt sich gerade in eine Sintflut. Die Strecke ist von der Rennleitung für Fußgänger gesperrt. Wie soll man da also etwas finden? Die jagen jeden von der Strecke, der da nichts zu suchen hat. Soweit zur Logik.

Unten: Es geht in die Pit-Box, Markus und Philipp schieben, Alex besorgt das Werkzeug.

Ich sage zu den Schülern im ruhigen Ton: „Das Rennen ist zu Ende für uns, lasst uns etwas essen und nicht traurig sein. Wir sind als einzige Europäer hier und damit schon Europas Spitze. Ihr seid Gewinner. Für heute soll das genug sein.“ Dann brauche ich dringend einen Kaffee. Aber alle sind im Rennfieber, haben Schwungmoment und wollen ein Ende nicht wahrhaben. Nur vereinzelt kommen Teammitglieder mit an das Frühstücksbufett. Der Rest schwirrt durch den Regen. Ich sehe es mit Genugtuung und wünsche mir, dass dies immer so ist, also auch bei den Vorbereitungen in Deutschland.

 

Philipp Hanstein (Telemetrie)

Nur einer lässt sich nicht unterkriegen: Andrij. Obwohl Markus und Alex schon erfolglos gesucht haben geht er noch einmal bei strömendem Regen auf die Strecke und sucht das zweite Kreuzgelenk um die Achse zu reparieren. Herr Heckel schickt mich schließlich los um Alex und Andrij zu suchen. Ich finde sie beim Zelt aber nicht allein.

Rechts: Schweißen mit ruhiger Hand: „Was wir hier machen darf eigentlich nicht gehen – theoretisch."

Ein Haufen Leute aus einem Team mit einem großen Werkzeugtruck und einer kompletten Schweißausrüstung für alle Teams stehen um ihn herum. Als ich näher komme sehe ich dass Alex auch dabei ist. Die Leute reden, sehen sich den Schaden an und fertigen Skizzen. Andrij überbringt mir die freudige Nachricht dass er das zweite Kreuzgelenk gefunden hat und das diese Leute bereit sind uns zu helfen. Er ist absolut davon überzeugt dass er mit ihrer Hilfe den Schaden beheben kann.

  

Ralf Heckel (Teamleiter)

Doch dann kommt Andrij patschnass an den Frühstückstisch und hält das „Unmögliche“ in der Hand. Er hat die andere Keilwellen mit den Resten des Kreuzgelenkes gefunden. Es sieht besser aus. Auch sind noch alle Stahlstifte da, wenn auch sehr ramponiert. Ein Funken Hoffnung keimt auf – er sitzt in den leuchtenden Augen von Andrij. „Wie ist das möglich?“ frage ich „Die jagen doch jeden von der Rennstrecke!“ Andrij antwortet mit breitem Lächeln „Ich nix verstehen, ich russisch, panjatno?“ Schulterklopfend und lachend stehe ich auf, wenngleich es noch viele Unbekannte gibt auf einem möglichen Weg der Reparatur. „Du Kosmonaut, also lass uns keine Zeit verlieren – Wir haben noch ein Rennen zu fahren.“

 

Markus Reichelt (Kameramann)

Eine große Menschenmenge steht um Ganymed 1B. Nachdem Herr Heckel kommt entscheiden wir uns, wenigstens einen Versuch zu wagen. Terry, ein Mann im grünen Regenmantel hat eine Zeichnung gemacht und bespricht sie mit Herrn Heckel. Er arbeitet im Marshall Spaceflight Center am Constellation-Programm mit, jedoch runzelt Herr Heckel schweigend die Stirn.

Unten: Alle schauen zu und fassen an, NASA-Terry in Grün sieht es gern.

Der Schaden sieht wie folgt aus: Die jeweils äußeren Kreuzgelenke sind direkt im Kreuz gebrochen. Die Halterungen für das kleine Mittelstück sind völlig verbogen. Doch ich bin optimistisch. Hier haben die Teams ihren Buggy sogar schon mit Klebeband repariert. Ich gebe noch ein Interview über den aktuellen Stand und gehe dann zur Werkstatt. Nach einigem Hin und Her ob das Rad abgeschraubt werden muss und was gemacht werden soll, schrauben wir die Teile ab und biegen sie wieder gerade. Kaum einer traut sich etwas anzufassen. Also übernimmt Herr Heckel die Leitung und wir arbeiten ihm zu wie bei einer OP. Da sind sie wieder die gekonnten Hammerschläge auf die Präzisionsteile. Es tut unendlich weh, aber wie im Zauber bekommt alles wieder seine ursprüngliche Form.

Danach kommt eine große Herausforderung: Das Schweißen. Nicht nur, dass die Teile klein sind und sowieso schon geschwächt, schweißt Herr Heckel mit zwei Methoden, die er noch nie zuvor eingesetzt hat – und das noch unter Zeitdruck. Mechanisch und hochkonzentriert arbeitet unser Teamleiter mit steinerner Mine. Nur ein Ruckler oder eine winzige Unkonzentriertheit und das wichtig gewordene Kreuzgelenk verdampft unter dem heißen Lichtbogen. Doch sowohl das CO2- als auch WIG-Schweißen haben Erfolg.

Links: Fertig ist das Kreuzgelenk – nicht schön aber Hoffnung gebend.

Ich frage Herrn Heckel wieso er zweimal schweißt und das mit unterschiedlichen Methoden. Er sagt: „Wegen des unterschiedlichen Kohlenstoffs, ich reduziere die angereicherten Stifte und weiche damit deren Oberfläche auf. So können sie eine Bindung mit dem Kreuzgelenk eingehen. Und wenn es bricht, haben wir immer noch einen Formschluss.“  

Ich verstehe nur Bahnhof. Dann sagt er noch. „Wir fahren ein Mondautorennen unter Apollo 13 Bedingungen. Was wir hier machen darf nach heutigem Kenntnisstand eigentlich nicht gehen – theoretisch, so wie bei Apollo 13.“ Doch wir können eine Seite wieder reparieren. Hier zeigt sich, dass unser selbst erfundenes Freewheel-Differenzial eine nun entscheidende Notlaufeigenschaft hat. Wir können anders als bei einem richtigen Differenzialgetriebe (mit welchen die meisten Buggys ausgestattet sind) auch mit einem Antrieb fahren und haben sogar Erfahrung darin. Die Zeit läuft gegen uns – nun ja, das sind wir von den letzten 3 Monaten gewöhnt. Das Buggy verlässt langsam, aber selbst fahrend die Box – ein toller Anblick. Terry klatscht, alle jubeln.

 

Peggy Zinsmeyer (zweite Fahrerin)

Zum Glück kann Herr Heckel schweißen. Es treibt zwar nun nur noch ein Rad an, aber wir haben noch eine Chance. Es war schon ein behebendes Gefühl, als ich den Buggy aus der Wetrkstattbox „fahre!“ Also besprechen wir, wer das zweite Rennen fährt. Herr Heckel empfiehlt, dass Andreij mit Reshma fahren sollen, weil sie und nun den Kurs kennen und damit dosierter mit der Technik umgehen können. Nun muss man sehr aufpassen. Das Team jedoch ist anderer Meinung und möchte, dass Andreij mit mir fährt. Andrij und Herr Heckel besprechen nun noch die veränderten Fahreigenschaften und fingern dabei immer wieder an den Lenkhebeln herum. Beide sind hochkonzentriert.

Rechts: Kampfentschlossen und hochgerüstet sind Andrij und Peggy am Start, Sekunden vor der Abfahrt, in der Reihe zum zweiten Rennen stehen nur noch die Härtesten.

Also stellen wir uns in die Reihe am Start. Ich war eigentlich nicht sehr aufgeregt, aber ich hatte ein wenig Angst, dass das Kreuzgelenk im Rennen wieder kaputt geht. Herr Heckel hatte mir erklärt, dass wir nicht zu stark auf den Obstacles und möglichst gar nicht in den Kurven treten sollen. Dazwischen aber sollen wir Vollgas geben.

Wir stehen am Start und warten auf das Signal, dass wir losfahren dürfen. Die Minuten werden zu Stunden, den kalten Regen der mit seiner Nässe überall hinkriecht spüre ich nicht mehr. „Tüüüüt“ es geht los. Wir kommen ohne Probleme über die Obstacles und bleiben nur zweimal kurz stecken. Wir achten immer gut darauf, nicht zu stark bzw. nicht in Kurven zu treten. Bei den zwei Schrägen springen wir richtig über die Hindernisse. Natürlich sitze ich hinten die eine Dumme und kann nichts tun, außer zu strampeln. Da ist man wie abgeschnitten. Ich kann nicht eingreifen, nicht lenken, nicht bremsen. Also schreie ich das was ich in diesem Moment tun würde einfach aus mir heraus – später auf dem Video der Bordkamera ist das superkomisch „links“, „rechts“, „nicht so nah“ usw. Wenn man bedenkt, dass dies alles die Fahrgeräusche übertönte und die amerikanischen Zuschauer nichts verstehen können, muss das schon ein ulkiger Anblick gewesen sein.

Unten: Das magische Hindernis wird spielend bewältigt, jedoch steht „Gevatter Moonbuggy-Tod“ immer noch daneben.

Als wir am Sand ankommen, fahren wir noch einmal richtig schnell, um gut durchzukommen und fahren fast wie durch Butter. Dann nur noch zwei Obstacles – die Kraft geht langsam zu Ende – wir müssen uns noch einmal richtig reinhängen und sind sehr froh als wir im Ziel ankommen. Andrij brüllt mit erhobenen Armen. Ich hänge einfach nur schlapp im Sitz und bin glücklich – völlig aus der Puste. Die anderen kommen angerannt und tanzen. Alle freuen sich mit uns. Das ist ein Gefühl das kann man nicht beschreiben.

  

Markus Reichelt (Kameramann)

Ich stelle mich wieder an die Puerto-Rico-Kurve und hoffe, dass wir sie nicht bald als Germany-Kurve bezeichnen müssen. Uns allen ist klar, dass dieser Run nur zum Spaß gefahren wird, da das Buggy eigentlich schwer beschädigt und provisorisch repariert ist. Es geht los zum zweiten Lauf. Ich glaube nicht, dass wir irgendetwas erreichen können. Schließlich sollen Andrij und Peggy langsam und vorsichtig fahren. Als ich jedoch sehe wie Ganymed 1B den Hügel hinunter auf mich zurast, fasse ich neuen Mut. Der Buggy kracht mit großem Sprung über das gefährlichste Obstacle, doch die Schweißnaht hält. Ich renne also mit den Anderen dem Buggy hinterher und positioniere mich dann wieder an der Rakete. Das Buggy rast weiter über die Strecke.

Rechts: Alex feuert aus dem Hintergrund noch an, doch die Fahrer hören ihn nicht mehr. Im „Schuhmacherblick“ haben sie schon das nächste Hindernis im Visir.

Wir rennen den Kurs entlang, keiner denkt mehr an irgendetwas Anderes. Ich renne kurz hinter einem nun gestarteten Buggy über die Strecke, das Stativ in der Hand um die Zieleinfahrt zu filmen. Ganymed fliegt fast über den Sand wo immer die anderen Teams stecken blieben und rauscht unter großem Jubel ins Ziel. Alle sind außer sich und jubeln. Die Zuschauer drehen sich staunend um. In diesem Moment kann ich sagen, dass sich jede Minute der letzten 3 Monate, seit Weihnachten gelohnt hat. All der Stress, die Konflikte und Probleme und die Mühe und Arbeit waren erfolgreich. Nach solch einer Niederlage im ersten Rennen glatt durch den Kurs zu kommen ist der größte Triumph für mich. Wir alle sind überglücklich, alles ist glatt gelaufen und wir freuen uns einfach nur. Nach ausgiebigen Umarmungen verlassen wir die Zieleinfahrt. Diesen Moment in dem das letzte Obstacle überfahren wurde, wird niemand so schnell wieder vergessen. Das Team hat bewiesen, dass es selbst in der ausweglosesten Situation nicht aufgibt.

 

Philipp Hanstein (Telemetrie)

Es ist eine Gesetzmäßigkeit das die Teams die das erste Rennen überstehen (etwa 50%) im zweiten besser werden. Bei uns ist es genauso. Ich sehe wie Andrij und Peggy (wir haben wie geplant im zweiten Race die Fahrerin ausgetauscht) ohne Probleme meinen Streckenabschnitt meistern. Auch was ich über Funk höre klingt äußerst ermutigend. Nach nur 4 min und 17 sec haben wir das Rennen gemeistert ohne einmal abzusteigen (etwas das die wenigsten Teams von sich behaupten können). Ausgelassen feiern wir unseren Triumph und sobald ich die Telemetrie verlassen kann, umarme ich das gesamte Team.

Leider ließ sich das Buggy nun durch den einseitigen Antrieb schwerer lenken und Andrij berührte mehrmals während des Rennens die Seitenabsperrung. Zuzüglich dieser Strafminuten kommen wir dann auf eine Zeit von 10 min und 47sec was aber im Mittelfeld liegt. Immernoch regnet es in Strömen und deshalb beeilen wir uns (nachdem wir noch einmal dem Team danken das uns gerettet hat) unser Zeug. Das Buggy fahren wir ins Foyer des Centers. Kaum haben wir das erledigt und das Buggy noch ein wenig geputzt, müssen wir in die Astrothek zur Award Verleihung.

Links: Das Foto vom „System Safety Award“ schoss Herr Prof. von Puttkamer.

Um das Ergebnis kurz zusammenzufassen. Von den 5 Awards die es auf diesem Rennen unter den dreißig Teams gibt, bekommen wir einen. Den von dem wir dachten das wir ihn am wenigsten gewinnen würden: den mit einem dicken Dollarscheck dotiertem System Safety Award. Den ersten Platz im Zeitfahren machte das Team 2 aus Utha. Das ist eine Niederlage für das Team des Huntsville Center for Technology, deren Siegesserie der letzten drei Jahre damit unterbrochen ist. Wir erlangten keine Platzierung. Aber das ist auch unwichtig, es ist nur eines der Award – Möglichkeiten.

Nach der Award Verleihung werden wir noch von dem Fernsehteam, welches die ganze Zeit mit mir an der Telemetrie stand angesprochen. Sie wollen ein interview mit dem gesamten Team für ihr Vodcast (Videoporträt) im NASA-TV. Bereitwillig geben wir es ihnen. Anschließend werden wir noch von einer Mitarbeiterin des Space &Rockets Center angesprochen. Sie lädt uns ein am nächsten Tag noch einmal wiederzukommen um den Multi Axes Simulator zu testen. Dieses Gerät ist normalerweise nur den Besuchern des Space Camps vorbehalten. Natürlich wollen wir dass alle unbedingt ausprobieren.

Für uns gibt es nun nichts mehr zu tun und so packen wir nur noch unser Zelt zusammen und verabschieden uns. Unser Zelt lassen wir da. Erstens haben wir nicht die Kapazität es mitzunehmen und zweitens braucht ein anderes Team noch dringend ein Zelt und wir helfen gern. Als wir im Hotel ankommen nutzen wir die eine Stunde die uns noch bleibt, um ein wenig vom Stress zu entspannen und zu schlafen.

 

Markus Reichelt (Kameramann)

Wir sind gerade dabei langsam einzuschlafen, als das Telefon klingelt. Wir sollen uns anziehen und auf den Weg machen. Also ziehen wir uns an. Andrij liegt noch im Bett als wir schon fertig sind. Die Anderen gehen hinaus aber ich warte noch auf ihn. Auch Frau Heckel wartet noch waährend es draußen mehrfach hupt. Als wir endlich am Parkplatz sind, ist das Auto weg. Wir sind Gastgeber im „El Palacio“ und dürfen eigentlich nicht zu spät kommen. Wir gehen zurück auf unsere Zimmer und schauen ein wenig Fernsehen. Etwa eine halbe Stunde später holt uns Herr von Puttkamer ab.

Im El Palacio, einem mexikanischen Restaurant, trafen sich früher die Wissenschaftler nach der Arbeit. Herr von Puttkamer ist seit dem ersten Tag im Jahre 1966 dabei. Wir hatten eigentlich für 40 Mann reserviert, jedoch ist nur etwa die Hälfte der Stühle besetzt. Das Rennen hat allen viel abverlangt. Wir reden also ein wenig mit den Gästen, essen und schließlich diskutieren wir noch eine Weile mit Herrn von Puttkamer über die amerikanische Politik. Dann fahren wir zurück ins Hotel und fallen todmüde, erschöpft aber überglücklich in unsere Betten. Per Email erfahren wir, dass die Eltern auf die Online-Mediathek des TV-Senders von heute morgen gestoßen sind und unsere Sendungen bereits gesehen haben. Sie schrieben „Wir waren den Tränen nahe“.

Diesen Tag wird niemand von uns jemals vergessen. Uns allen ist nun klar, dass wir nur aufgrund des technischen Defektes die Strafminuten bekommen haben. Mit einem weitaus leichteren und stabileren Ganymed 2 können wir im nächsten Jahr besser sein!

Unten: Der Moment der Zieldurchfahrt: „In diesem Moment kann ich sagen, dass sich jede Minute der letzten 3 Monate, seit Weihnachten gelohnt hat. All der Stress, die Konflikte, Probleme, die Mühe und Arbeit waren erfolgreich. Diesen Moment in dem das letzte Obstacle überfahren wurde, wird niemand so schnell wieder vergessen. Das Team hat bewiesen, dass es selbst in der auswegslosesten Situation nicht aufgibt.“

Philipp Hanstein

Mein Letzter Gedanke ist einfach nur, dass es sich eindeutig mehr als gelohnt hat.
 

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Autor:
Das Moonbuggy Team Germany
 
Editor: Frank Erhardt
(Astrolabium.Net)

Credit: German Space Education Institute
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