Bye Bye Huntsville

10. April 2008 Huntsville - Bye Bye Huntsville:

Es ist Sonntag und auf dem US-Space & Rocket Center kehrt der Alltag wieder ein. Mit ihm kommt auch das südländische Frühlingswetter wieder zurück. Die Sonne scheint, alles wird noch grüner und es wird 25 Grad warm. Die Kolibris fliegen. Hinter dem Team liegen schwere Prüfungen und Petrus schien es ihnen nicht leicht machen zu wollen. Warum auch? Die vor dieser Generation liegenden Aufgaben sind nicht von Pappe und jedes schwere Training ist ein gutes Training. Später können diese Moonbuggy-Teilnehmer sagen, dass sie eine der schwersten Wasserschlachten geschlagen haben. Wir haben den Monat des wissenschaftlichen Nachweises von Wasser in unserem Sonnensystem. Man wird es in späteren Jahren erst zu schätzen wissen.

 Rechts: Jetzt nur nicht den Durchblick verlieren.

Ruhe aber wartet nicht auf das Team. Der Buggy muss zerlegt werden, die Sachen gepackt und ausgewogen und es geht zurück ein eine Heimat, die für alle Teilnehmer jetzt kleiner geworden ist. Wir haben den Schülern heute keine Berichte schreiben lassen. Sie sollen diesen einen Tag genießen können. So wird ausgiebig ausgeschlafen und ab Mittag der Buggy zerlegt. Die Headricks kümmern sich liebevoll um das Wohl der Schüler. Frau Headrick hat einen 8-Kg-Truthahn gekauft und die beiden bereiten ihn lecker zu. Sie nennen es "Thanksgiving". Es ist wohl auch die völlig unverfälschte familiäre Nähe dieser Familie, welche die ursprüngliche durch unsere Medien geschürte Skepsis mancher Schüler vor Amerika abstreifen lässt. Kein Urteil kann schwerer wiegen, als das Erleben vor Ort.

Am Abend darf dann der langersehnte Film "Space-Quest" im Home-Kino der Headricks gesehen werden. Mit langen Beinen liegen alle sechs Schüler in den automatischen Ledersesseln, während Frau Headrick liebevoll die Kleine Cosma im Wohnzimmer in den Schlaf wiegt. Herr Headrick genießt sein "volles Kino" und holt tütenweise Popcorn und Kartoffelchips. Er arbeitet im Mond- und Marsprogramm und bemüht sich, dass unser Team ein schönes Bild von Amerika mit nach Hause nimmt. Am Abend müssen wir gehen. Cosma schläft friedlich in den Armen von Yvonne während über Frau Headricks Wangen Tränen kullern. Amerika ist anders als man auf unserem Kontinent zu denken glaubt.

Der Weg zurück

 

Markus Reichelt

 

Es ist um acht. Ich habe kaum geschlafen. Doch schließlich wollen wir ja noch etwas frühstücken, darum quälen wir uns alle aus dem Bett und ziehen uns an. Zum Frühstück wird noch einmal richtig schön amerikanisch gegessen. Es gibt leckere Waffeln mit Ahornsirup. Das werde ich definitiv daheim vermissen!

Als wir kurz nach um neun wieder in unseren Zimmern sind wird fleißig gepackt. Die Koffer mit unseren Klamotten sind schon bei Headricks, da wir gestern das Moonbuggy auseinandergebaut und verpackt haben. Nur noch das Nötigste ist im Zimmer. Wir machen also unsere Rucksäcke flugfertig und halb zehn starten wir in Richtung Flughafen. Herr Heckel kommt pünktlich mit dem Auto zum Abholen. Er ist schon wieder den ganzen Morgen unterwegs gewesen, hat die Kopien unserer TV-Sendungen besorgt und war auch noch in US-Schulen.

Unten: Ein letztes original "American Diner."

 Im Flughafen angekommen checken wir ein. Für einen Koffer brauchen wir noch Klebeband. Es sind ein paar Teile für unseren Rasentraktor im SEI dazugekommen. Die hat Herr Heckel heute früh noch besorgt. Außerdem ist ein Koffer zu schwer und es muss umgepackt werden. Für ein Teil des Rasentraktors brauchen wir eine Plastikfolie. Also gehen Andrij und ich auf die Suche. Eine Frau in einem Shop verweist auf das Office, wo wir vielleicht einen Müllbeutel bekommen könnten. Wir berichten der Frau im Office also von unserem Problem und warten auf die Verpackung. Derweil kommen die anderen schon hoch zu den Gates. Peggy kommt mir mit meiner Zahnbürste entgegen, die ich nicht im Reisegepäck haben darf – was hat denn das Flughafenpersonal gegen elektrische Zahnbürsten? Ich weiß es nicht. Später erzählt man mir, dass diese sich im Koffer allein angeschaltet hat und der "summende Koffer" die Aufmerksamkeit der Sicherheit erregte. Man muss aus diesem Grund immer alle Batterien aus elektrischen Geräten nehmen. Leergelaufene Batterien  könnten auslaufen oder die Geräte im eng gepackten Koffer heißt werden. Nicht auszudenken, was wann passieren könnte ... 

Ich verstaue die Zahnbürste also in meinem Rucksack, während Herr Heckel die Plastiktüte holt. Nun warten wir auf unser Flugzeug. Wenige Minuten nachdem wir am Gate stehen landet ein Canadair Regional Jet. Er rollt direkt zu unserem Gate – das ist also unsere Maschine für den Kurzstreckenflug. Der Pilot checkt sein Flugzeug und wir können einsteigen.

Der Flug nach Atlanta ist gemütlich. In dem kleinen CRJ200 ist man viel näher am Geschehen dabei. Die Kurven sind enger und jede Bewegung viel direkter. Als wir in Atlanta aufsetzen haben wir noch viel Zeit. Wir gehen also Essen. Philipp hat noch Probleme, wegen seinen Einreisepapieren und fehlt vorerst. Er hat die grüne Einreisekarte verschludert und muss sich nun eine neue ausstellen lassen. Als er kommt sind wir schon fast fertig mit dem Essen vom „Panda Express“ – einem leckeren chinesischen Schnellimbiss.

Oben: Noch eine letzte Wartezeit vor dem Rückflug nach Deutschland.

Dann beginnt unser 10-stündiger Flug über den Atlantik. Ich habe kein Zeitgefühl mehr. Auf meiner Uhr ist die Zeit von Atlanta, mein Reisewecker zeigt die Zeit daheim an, doch über dem Atlantik ist es Nacht. Wann es nun genau Dienstag wird ist mir unbekannt. Kurz nachdem wir den amerikanischen Kontinent verlassen geht die Sonne unter. Als wir dann auf das Britische Festland kommen bricht der neue Tag an – wir fliegen der Sonne entgegen, damit war das die wohl kürzeste Nacht meines Lebens.

Auf dem Flug versuchen wir etwas zu schlafen aber es ist so gut wie unmöglich. Also vertreiben wir uns mit Lesen oder Musikhören die Zeit. Außerdem benutzen wir Herrn Heckels Navigationsgerät um unsere Position zu bestimmen. Es ist witzig mit anzusehen wie auf dem Display eines normalen Kfz-Gerätes 850 km/h und 10 km Höhe angezeigt werden!

Schon über Rotterdam sind wir tief gesunken. Es ist herrlich mit einer solchen Geschwindigkeit über die Häuser zu rasen. Etwas nördlich von Essen fährt der Pilot schrittweise die Klappen aus. Schließlich erfolgt die Landung in Düsseldorf. Von dort aus fahren wir mit der Schwebebahn zum Flughafenbahnhof.

Rechts: Wieder zurück in Deutschland.

In geübten Schrittfolgen transportieren wir die 16 Koffer Fluggepäck, die 8 Handgepäckstücke und Cosma mit dem Kinderwagen und Tasche in die Gondel, aus der Gondel, zur Rolltreppe, zu den Fahrstühlen .... bis wir schließlich auf dem Bahnsteig stehen  wo jeder mit seinen Eltern Kontakt aufnimmt. Ein solcher Transport ist für uns acht Reisende eine kleine Mammutaufgabe und jedes Mal muss eine andere Logistik angewandt werden. So fahren wir mit sechs Rollis durch den Flughafen. Dann bestücken wir den Fahrstuhl mit allen Gepäckstücken während einer bereits oben in der Ankunftsetage diesen erwartet. Es sind so viele Gepäckstücke, dass niemand mehr hineinpasst, also müssen wir diese Fahrt sichern und an Abfahrts- und Ankunftsort gleichzeitig sein. Jeder fasst in "Eimerkettenform" mit an, sonst würde alles durcheinenderlaufen und sich gegenseitig behindern.

Herr Heckel hat immer die richtige Lösung parat. Schon an der Gondel der Schwebebahn muss eine andere Strategie gefahren werden. Sie hat vier Türen und hält nur kurz. Also ist es ein Risiko, alles über eine Tür in die Gondel zu transportieren. Wir verteilen uns also in vier Gruppen zu je zwei Personen auf die vier Türen. Jede Gruppe hat die selbe Anzahl von Koffern neben sich stehen. Es sind vier Stück plus Handgepäck. Jedes Team hat die Verantwortung. Jeweils einer des Teams gibt die Tür frei, wenn alles drin ist. Er tritt dann aus der Lichtschranke der Tür.

Wieder anders ist es beim Transportieren von einem Bahnsteig zum Nächsten. Dazwischen liegen Distanzen von 300-500 Meter. Oft sind überhaupt keine Kofferkulis zu finden. Also teilen wir uns in Gruppen auf und tragen in mehreren Schüben die Koffer von A nach B. Dabei passen die Mädchen jeweils an beiden Orten auf die Koffer auf und schieben Wache.

Eine Rolltreppe oder Transportband funktioniert wieder anders. Dort postieren sich zwei Schüler oben und zwei Schüler unten. Nun werden die Koffer wie auf ein Förderband gelegt und unten wieder entnommen. Es ist eigentlich ganz einfach - man muss nur im Team arbeiten und aufeinander angestimmt sein.

Unten: Bye Bye für 2008 - aber wir kommen 2009 wieder!

Vom Flughafenbahnhof Düsseldorf aus fahren wir eine Stunde bis nach Dortmund. Wir kommen an Gleis 8 an und müssen zu Gleis 10. Da niemand weiß, wie wir da hin kommen, macht sich jeder Sprintbereit – wir haben nur 13 Minuten bis zum nächsten InterCity nach Leipzig. Gleis 10 befindet sich jedoch gleich am selben Bahnsteig. Wir gehen also rüber, lokalisieren den Bahngleisabschnitt unseres reservierten Wagons und warten. Kurz vor Ankunft des Zuges wird am Bahnhof angesagt, dass unser InterCity am Gleis 8 ankommt. Wir gehen also kurzerhand die 3 Meter auf die andere Seite und warten dort. Wir müssen uns beim Einladen jedoch wieder beeilen, da Wagon 7, in den wir eigentlich einsteigen sollten, nun an einer anderen Stelle ist. Wir steigen in Wagon 6 ein - wieder mit Eimerkette und verbringen die Zugfahrt dort – zumeist mit Schlafen. Nach einigen Stunden kommt der Leipziger Hauptbahnhof in Sicht. Mit gemischten Gefühlen stehen wir auf. Einerseits freue ich mich wieder zu Hause zu sein, jedoch vermisse ich Huntsville. Doch nun begrüßen wir erst einmal unsere Eltern. Man sieht den Stolz in ihren Augen. Wir packen alle Koffer aus und machen uns auf den Weg. Ich verabschiede mich von Reshma, Alex, Philipp und Andrij. Nachdem meine Eltern Heckels und Peggy mit ihrer Mutter zum SEI gebracht haben, laden wir noch den Hänger mit den Moonbuggy Teilen aus und nach einer Verabschiedung fahre auch ich nach Hause.

Zu Hause angekommen ist nichts mehr von Müdigkeit zu spüren. Es gibt viel zu erzählen und ich packe schon die ersten Souvenirs aus. Es ist doch schön wieder zu Hause zu sein. Aber lange wird es mich nicht hier halten, das Moonbuggy Race 2009 wartet schon auf uns – wir wollen im nächsten Jahr mit 3 Teams antreten. Doch zunächst müssen die Flugkosten wieder in die Kasse kommen und Ganymed 2 muss endlich fahren!

Die Reise in die USA und das Moonbuggy Race 2008 bei dem Niederlage und Triumph nur durch einen winzigen Bolzen getrennt waren, werde ich niemals vergessen. Thommy, unser Chefkonstrukteur hatte es mir gesagt: „Diese Reise wird unvergesslich und euch noch lange im Gedächtnis bleiben. Macht was draus!“

Diese Worte hallen mir genauso in meinem Gedächtnis nach, wie unser Teammotto, welches auch vom Team im letzten Jahr benutzt wurde: „Fühlt ihr den Rhythmus, fühlt ihr die Musik, dieser Buggy fährt uns zum Sieg! GANYMED!“ Und wie wir als stolze System-Safety-Award-Gewinner sagen können, scheint er wirklich den Erfolg zu bringen.

 

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Autoren: Ralf Heckel + Markus Reichelt

 
Editor: Frank Erhardt
(Astrolabium.Net)

Credit: German Space Education Institute
Alle Fotos Credit und Copyright:
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