Vorbereitung am Rande des Rennens

4. April 2008 - Huntsville:

Niemals aufgeben

Ich begebe mich zur Strecke und suche die besten Stellen zum Filmen heraus. Ich entscheide mich für die Stelle an der Rakete „Saturn I“ an dem das Buggy zweimal vorbei kommt. Außerdem hat man hier einen guten Ausblick auf die Strecke und auf die erste scharfe Kurve – wir taufen sie später „Puerto-Rico-Kurve“. Der Grund ist ganz einfach: Bei einem meiner ersten Videos ist gerade das Team Puerto Rico auf der Strecke. Sie fahren mit hoher Geschwindigkeit über das Obstacle, bremsen, lenken ein und überschlagen sich. Doch sowohl Buggy als auch Piloten sind hart im Nehmen, drehen das Buggy um und steigen auf. Die Fahrt geht weiter. Das Team schafft es auch mit mehr oder weniger guter Zeit wieder ins Ziel.

Unten: Markus im Regen, die Triebwerke der „Saturn I“ lassen ihn etwas trocken.

 

Langsam wird es Zeit für uns. Neben mir steht ein Streckenposten mit einem Walkie-Talkie und ich höre welche Teams an der Reihe sind. Bei Team Nummer 29 (wir sind Nummer 33) gehe ich zurück zum Team. Reshma und Andrij werden das erste Rennen fahren. Als unser Aufruf kommt, sind wir alle sehr aufgeregt.

Rechts: Kampfentschlossen und hochgerüstet sind Andrij und Peggy am Start, Sekunden vor der Abfahrt, in der Reihe zum zweiten Rennen stehen nur noch die Härtesten.

Das Team begibt sich zur „Vorprüfung“. Als erstes wird das Buggy zusammengeklappt. Dann kommt der „Kasten“. Auch in diesem Jahr geht der Würfel mit den Maßen 1,21m x 1,21m x 1,21m ohne Probleme über unser Buggy und die Jury staunt mit den Worten: „Good Job“. Dann tragen Reshma und Andrij das zusammengeklappte Buggy über die Strecke von 6m. Anschließend kommt das viel geübte Auseinanderklappen. Nach dem „Go“ verläuft vorerst alles glatt – doch dann verhakt sich das Klebeband an Andrijs Hose an den Pedalen. Er muss es abmachen und der gesamte Vorgang ist erst nach 15 Sekunden abgeschlossen. Im Test kamen wir auf fast 6 Sekunden. Ein kleiner Rückschlag von dem wir uns nicht weiter irritieren lassen. Doch auf dem folgenden Weg zur Startlinie spring die Kette, welche die hintere Tretsäule mit dem Antriebsritzel verbindet heraus. Hektisch klappen wir die hintere Tretsäule hoch, um die Kette zu entspannen, Peggy und ich heben das Buggy vorn hoch und Alex, unser Mechaniker, schmeißt sich auf den triefnassen Boden und setzt die Kette wieder ein.

Die Anspannung ist sehr hoch. Dann kommt der Start. Mir fällt auf, dass die Bordkamera fehlt uns renne in Panik zum Buggy. Doch ich erfahre, dass wir sie aufgrund des Regens nicht einsetzen. Wir rufen den traditionellen Spruch: „Fühlt den Rhythmus, fühlt die Musik, dieser Buggy fährt uns zum Sieg. Ganymed!“. Nun kann nichts mehr schief gehen.

Links: Völlig hin ist das eine Kreuzgelenk, da ist nichts mehr zu machen.

Ich filme den perfekten Beginn des Rennens. Als ich bei Philipp am Mission-Control-Center vorbei komme verlangsame ich mein Tempo um mich in eine neue Position zu bringen. Bisher verlief das Rennen perfekt und das Buggy ist mit enorm hoher Geschwindigkeit unterwegs. Auf einmal stöhnt Philipp an der Telemetrie auf: „Die stehen“. Verdammt!  Wir wissen nicht was los ist und warten. Die Kamera läuft, aber das Buggy kommt und kommt nicht. Ein weiteres Mal zeigt die Telemetrie an, dass das Buggy steht. Doch dann sehe ich 2 gelbe Helme auftauchen. Kurzzeitig denke ich alles wäre in Ordnung. Aber die Helme sind sehr hoch – da wird es mir klar: Das Buggy wird geschoben! Das ist kein gutes Zeichen. Trotzdem feuern wir natürlich unaufhörlich an und ich filme weiter. Beim Rennen informiere ich mich über den Status. Die Kreuzgelenke sind gebrochen.

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Autor:
Markus Reichelt
 
Editor: Frank Erhardt
(Astrolabium.Net)

Credit: German Space Education Institute
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