Telemetrie- und Technologietag

2. April 2008 - Huntsville:

Dieser Tag beginnt bereits Mitternacht. Es müssen die Satellitenfotos von Huntsville kalibriert werden. Diese werden für die Telemetrie des Moonbuggys gebraucht. Um die Bewegungen des Gefährts auf dem Bildschirm verfolgen zu können, muss man gutes Kartenmaterial besitzen. Dieses bildet dann die Grundlage, um die aus dem Moonbuggy gesendeten GPS-Daten in Echtzeit grafisch darzustellen. So sieht man am Empfangsgerät immer wo sich der Buggy befindet. Die Karten kann man bei Google-Earth downloaden aber die Genauigkeit lässt zu wünschen übrig. Das muss also selbst gemacht werden.

Wir müssen mit unseren elektronischen Geräten alle Plätze abfahren, auf welchen das Moonbuggy fahren soll. Die gemessenen Daten werden dann mit dem Kartenmaterial verglichen und dann auf das gemessene Gitter der Längen- und Breitengrade angepasst. Das deutsche Moonbuggy Team geht dabei in zwei Schritten vor. Zuerst werden "Baken", also exakte Ortsmarkierungen (empfangen durch eine GPS-Maus) gesendet. Diese werden dann auf einem anderen Gerät empfangen und in "Log-Dateien" geschrieben, also einfach aufgezeichnet. Dabei wird der komplette Signalweg der Telemetrie verwendet, um mögliche Schwachstellen zu lokalisieren. Diese gibt es auch. Während der Sicherheitskontrollen muss die Homeland-Security die Koffer geöffnet gehabt haben. Es waren verschiedene Steckverbindungen gelöst. Scheinbar traute man der selbstgebastelten Elektronik nicht.

Also fahren gegen Mitternacht Philipp und Peggy (die Telemetrie-Spezialisten) mit mir im Auto und erledigen das Aufzeichnen der Baken. Diese werden dann auf den elektronischen Karten mit dem wirklichen Ort verglichen. Dazu braucht man einfach nur aus dem Fenster zu sehen und zu schauen, ob man wirklich dort steht, wo man sein sollte. Natürlich ist es nicht so. Es gibt verschiedene Ungenauigkeiten. Mal stehen wir drunter, mal daneben und mal ganz woanders. Diese Differenzen werden vermerkt. Es ist ein bischen wie Halma. Alle so aufbereiteten Daten senden wir danach umgehend per Email nach Deutschland. Sie müssen schon in 2 Stunden dort sein. Das liegt an den 7 Stunden Zeitverschiebung. Herr Scheuermann ist Lehrer und Spezialist im Kalibrieren von Kartenmaterial und arbeitet die empfangenen Daten auf. Unser Kartenmaterial wird so noch genauer. Währenddessen ist Philipp ausgefallen - er ist einfach mit der Antenne in der Hand am offenen Autofenster eingeschlafen. Also muss Peggy ran.

6 Stunden später stehen wir auf und rufen die Emails ab. Es kommen bereits die fertigen Karten herein. Sie sind nun viel genauer. Nun müssen die Schüler versuchen, auf das Gelände der Rennstrecke zu kommen und vor Ort noch einmal "Baken" vom Rennkurs senden. Das dient der Endkontrolle und kann auch von einer mobilen Einheit erledigt werden. Es müssen dazu lediglich der Sendekoffer, die Antenne und die GPS-Maus per Hand getragen werden. Zunächst aber beginnt der Tag mit einem ausgiebigen Frühstück.

 

Das Center for Technology

Das ist der Name eines Gymnasiums in Huntsville. Wir haben Kontakte zur Schulleitung und lassen über unsere Schüler einen Termin machen. Reshma ist Protokollchefin und terminiert professionell am Telefon. Sie spricht dabei mit dem Direktor und wird umgehend mit dem Team eingeladen. Als wir ankommen, ist Herr Turner (der Direktor) bereits bereit.

Rechts: Eddy Turner begrüßt das Team Germany

Er ist ein schnellsprechender farbiger Mann mit ergrautem Haar und kommt sofort mit den Schülern ins Gespräch. Er führt sie durch das Haus. Es werden viele Bereiche gezeigt wie der Kochunterricht in einem großküchenähnlichen Klassenraum, einem Kosmetikunterricht, das Distanz Learning Network (ein hochaufgerüsteter Computerrraum) und die Moonbuggy-Werkstatt. Diese Highschool ist Teilnehmer am Moonbuggy Race und verfügt über eine beachtliche Werkhalle mit 34 großen CNC-Werkzeugmaschinen. Das Glanzstück ist ein 3-D-Drucker. Hier  können entworfene Bauteile sofort als Positiv- oder Negativform "gedruckt" werden. Es entstehet der Körper aus einer Art Plastikschaumstoff - auf den zehntel Millimeter genau! Davon träumt so mancher Mittelständler in Deutschland.

Oben: die Moonbuggy-Werkhalle der Schule ist beeindruckend

Es stehen drei Moonbuggys in der Mitte. Einem ist anzusehen, dass er neu ist. Das TV und die Huntsville Times ist da und machen Porträts vom Moonbuggy-Team dieser Schule. Natürlich war unser Erscheinen in den einheitlich blauen Raumanzügen eine Überraschung und so bekommt das Team Germany auf zwei huntsviller Medien die Titelstory. Noch am selben Tag erscheinen diese als Breaking News bei der Huntsville Times (http://blog.al.com/breaking/2008/04/huntsville_center_for_technolo.html) und als Top News auf Channel 19 (http://www.whnt.com/).

Nach einigem Wortwechsel und offenen Gesprächen zwischen den Teams dürfen unsere Fahrer auch deren Moonbuggy „Lunar Currus“ fahren und sind begeistert. Direktor Turner sieht es mit Freude und wir diskutieren am Rande über den weitergehenden Austausch von Schülern. Ich ziehe einen Joker, die mögliche Beteiligung am Mars 500 Projekt. Herr Turner ist begeistert. Es wird auf alle Fälle eine Fortsetzung geben.

Unten: Moonbuggy "Lunar Currus" weckt Bedenken, das ist ein echter Konkurrent

Nach einigem Wortwechsel und offenen Gesprächen zwischen den Teams dürfen unsere Fahrer auch deren Moonbuggy „Lunar Currus“ fahren und sind begeistert. Direktor Turner sieht es mit Freude und wir diskutieren am Rande über den weitergehenden Austausch von Schülern. Ich ziehe einen Joker, die mögliche Beteiligung am Mars 500 Projekt. Herr Turner ist begeistert. Es wird auf alle Fälle eine Fortsetzung geben.

 

Das US Space & Rocket Center

Rechts: Der Space Shuttle beeindruckt in seiner Größe, dieser hier heißt "Pathfinder".

Gegen 12:30 Uhr fahren wir die Schüler in das US Space & Rocket Center. Hier findet das Rennen in zwei Tagen statt. Wir wollen ihnen Zeit geben, sich an das Gelände zu gewöhnen und damit auch die Überreizung durch zu viele Eindrücke mindern. Also führen wir die sechs Schüler in einer großen Tour durch die Gebäude. Es ist schwer, sie von einem Ort zum anderen zu bekommen.

Überall bleiben sie stehen, staunen oder wollen probieren. Alles macht Spaß. Wohl beeindrucken die Größen der Raketen und des Space Shuttles. An der Apollo-Kapsel gibt es kein Halten mehr. Jeder will drinnen sitzen. Die kleine Cosma krabbelt überall nach. Nur während der Fahrt in der Zentrifuge mit 4 G bleibt sie draußen - mit Philipp, der hat noch etwas Jetlag.


Im neuen Davidson Center hängt die Mondrakete „Saturn V“ in ihrer vollen Größe über den Köpfen. Hier verschlägt es allen die Sprache. Dies ändert sich auch nicht, als eine VIP-Delegation vorbei kommt und der Chef des Hauses, Larry Capps, sagt: „Meine Damen und Herren, dies hier ist das Moonbuggy Team Germany“. Es gibt „Ohh“, „Ahh“ und ein Applaus. Der Polizeichef von Huntsville ist als Gast unter der Delegation. Ich unterhalte mich mit ihm über die Idee des US-Führerscheines für unsere Schüler als Finanzierungsidee für Exkursionen nach Huntsville. Er ist begeistert und will das unterstützen. Seine Eltern stammen aus Regensburg.

Nach einem Essen beginnen wir wieder mit dem Aufzeichnen der Telemetriedaten. Das Raceteam läuft mit dem Sendekoffer die Strecke ab. Wir stellen tatsächlich einige Unregelmäßigkeiten fest, welche noch unserer Aufmerksamkeit bedürfen.


Der Tennessee River

Es wird Abend. Die Luft ist mild und riecht nach Meer. Noch haben die Schüler nicht viel von der eigentlichen Umgebung gesehen. Also fahren wie die Gruppe an das Ufer des Tennessee-Rivers. Dort stapften vor 200 Jahren die Schaufelrad-Dampfer mit riesigen Baumwollballen hinauf. Das war die Zeit bevor die Space-Technologie die Wirtschaft der Stadt Huntsville veränderte. Man nennt dies das Dixieland - nach der Herkunft der bekannten Musikrichtung. Wir sind in einem ehemaligen Südstaat.

Es tut dem Team gut. Sie genießen sitzend und stehend am Ufer auf gebrochenen Steinen den Abend. Man kommt sich näher und schmilzt zusammen. Es ist jedem anzusehen, dass es in dieser Woche nur noch ein Ziel gibt. Zufrieden mache ich seltene Aufnahmen.

Unten: Jeder bereitet sich auf seine eigene Weise auf das Kommende vor.

Wir laden die sechs zu einem großen "SUB" ein. Das ist kein U-Boot sondern ein langes belegtes Brötchen mit Schinken, Käse, Salat und allerlei Zutaten. Die "SUB-Villa" gibt es schon lange. Während der 10-tägigen Reparaturarbeiten am Skylab in den 70er Jahren schickten die Ingenieure immer einen hierher, um ein großes Tablett Sub´s zu holen. Natürlich war das für die Leute am Wassertank und nicht im All. Man simulierte die Reparatur und fertigte daraus dann Arbeitsanweisungen für die Besatzung.

Links: Die SUB-Villa ist ein Geheimtipp unter Raumfahrtingenieuren.

 

 

 

 

 

Der Tag scheint den Schülern gefallen zu haben. Sie sind angekommen. Ausgelassen gibt es eine Kissenschlacht vor dem Schlafengehen, während ich wieder Berichte korrigiere. 

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Author:
Ralf Heckel
 
Editor: Frank Erhardt (Astrolabium.Net)

Credit: German Space Education Institute
Alle Fotos Credit und Copyright:
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