4. April 2008 - Huntsville:
Es ist noch dunkel. Die Nacht ist für mich erst zwei Stunden
alt. Es dauerte bis um 2 Uhr, als alle Berichte in ihren
drei Sprachen korrigiert, die besten Fotos ausgewählt und
die Newsmails in wieder jeweils 3 Sprachen vom Vortage
verfasst waren. Trotzdem ist um 4 Uhr Aufstehen angesagt.
Nur träge bewegt sich die Gruppe aus den Federn und ohne
Frühstück in den Van. Die Lobby ist noch geschlossen.
Rechts:
WHNT sendet live am Morgen, Markus gibt ein Interview.
Auch der Space Shuttle „Pathfinder“ (Pfadfinder) am Space &
Rocket Center hüllt sich noch in Dunkelheit, wäre da nicht
der Scheinwerfer der TV-Kamera. Das lokale Team des CBS hat
seinen Van dort aufgebaut und sendet life die Morgen-News.
In festgelegten Abständen wechseln sich die beiden TV-Leute
ab. Zuerst moderiert der eine vor dem Shuttle das
Moonbuggy-Race und der andere bedient die Kamera. Dann wird
die Kamera gedreht und der Kameramann moderiert das Wetter
mit umgedrehtem Display. Er braucht keinen Kameramann, macht
also alles selbst. Nur seine Nachrichten sind
besorgniserregend. Er sagt immer wieder etwas von
Sturmsystem und viel Regen während über uns der laue Tag im
Morgenrot erwacht und die Vögel beginnen zu singen. Der erste Moderator hängt sich
währenddessen in seine vielen Sprechfunkgeräte hinein und
spricht das weitere Programm mit der Redaktion durch oder
tritt in ruhig-versöhnlichem Ton auf unsere Schüler zu. Es
ist unglaublich, welche Ausgeglichenheit der Mann ausstrahlt
obwohl er unter stärkstem nervlichen und Zeitdruck steht.
Das alles ist live in ganz Alabama zu sehen, Channel 19.
Rechts:
auch Reshma hat voll zu tun, hier im Gespräch mit NASA-Edge. Unser Team ist aufgeregt, doch die Rollen
stehen fest. Markus ist erster „Spokesman“ und Reshma die
zweite Pressesprecherin. Also legen die beiden untereinander
fest, wer zu welchem Thema etwas sagt. Die Fahrer Andrij und
Peggy sind nun Bild-Protagonisten und das restliche Team
Zuschauer. Es werden vier Sets gemacht in Abständen von etwa
15 Minuten. Die Sets dauern nur wenige Minuten und weitere
Sprecher sind vor Ort. Da ist zum Beispiel der Erfinder des
Moonbuggy Races, Dr. Frank Six, oder der Vertreter des
Hauptsponsors von Northrop Grumman, Alan Ladwig. Unsere
Schüler machen ihre Sache so gut sie können. Mit dem
deutschen Nachnamen hat der Moderator zwar seine
Schwierigkeiten, aber das ermuntert nur. So wird aus
„Reichelt“ ein „Raschélt“ und die Zuschauer (das restliche
Team) biegt sich vor Lachen. Zum Glück hat Markus einen
Schriftzug von seinem Namen als Patch am Ärmel. Der Vater
ist mit seiner Firma auch einer der Sponsoren.
Während des letzten Interviews wird es hell und es treffen
weitere Teams ein. Im Pit-Stop-Areal (Boxengasse) beginnt
reges Treiben. Unser Pavillion wird aufgebaut und das Buggy
startklar gemacht, doch schon geht es zur
Eröffnungszeremonie. Die „Astrothek“ ist voll. Die Color
Guard betritt zackig den Raum und steckt die US-Flagge sowie
die Fahne von Alabama in je einen Fuß. Dann stehen alle auf,
legen die rechte Hand auf das Herz und ein Mann singt laut
und schön die US-Hymne. Wir kennen ihn von den bereits
zahlreichen offiziellen Events hier in Huntsville. Unten:
Eröffnungszeremonie mit der „Color Guard.“. Zahlreiche Partner, Verantwortliche und
auch Sponsoren werden vorgestellt. Es ist hoher Besuch da.
Die Redner kommen aus Washington, Houston und vom
Bundesstaat Alabama. Die Bürgermeisterin Loretta Spencer
wünscht allen Teams viel Glück und hält die von uns kurz
vorher übergebene Zeitung „Raumfahrt Concret“ hoch. „Seht“,
sagt sie, „das habe ich eben von den jungen Leuten aus
Deutschland bekommen. Sie kommen den weiten Weg bis hierher
nach Huntsville und bringen eine Zeitung mit, in welcher in
vier großen Seiten über die Eröffnung unseres Davidson
Centers geschrieben wird. Ich finde es absolut toll, dass es
begeisterte junge Leute wie Ihr gibt, die der Welt erzählen,
was wir hier haben.“
Es ist Stolz den sie verbreitet ohne zu polarisieren.
Weitere Redner sprechen die Schüler noch direkter an: „Wir
wollen den Mond und den Mars erreichen. Dazu brauchen wir
Euch. Es ist wichtig, dass Ihr jetzt hier seid und alle
gewinnen wollt. Ihr seid jetzt schon alle Gewinner, denn ihr
seid hier.“ Dann kommen Sätze, welche wir in Deutschland
ganz vermissen. Es wird gesagt: „Dieses Rennen hat eine
Menge Sponsoren. Die verfolgen ein Ziel damit. Wenn einer
von Euch einen Job in der Raumfahrt sucht, dann scheut Euch
nicht, diese Firmen anzuschreiben. Denn die suchen Euch.“
Nun bekommen auch unsere Schüler spitze Ohren und sehen auch
eigene Perspektiven. Es ist wohl der Rote Teppich, welchen
sie hier spüren. Sie werden ernst genommen. Fast bin ich
neidisch, denn als ich so alt war, gab es das nicht – obwohl
ich wollte. Links: Sogar
die Bürgermeisterin von Huntsville ist da, Herr Prof. von
Puttkamer übernimmt das. Noch hält sich das Wetter. Zwar zieht der
Himmel zu, aber es bleibt beständig. Die Aufregung steigt.
Fieberhaft wird am Buggy noch einmal alles kontrolliert.
Dabei werden mehrere kleine Unzulänglichkeiten festgestellt
wie: noch nicht angezogene Schrauben, der noch geringfügig
falsch angeschraubte Sitz, die Klickpedalen waren falsch
montiert und schleifende Bremsen müssen korrigiert werden.
Das alles lässt sich abstellen. Nicht abstellen lässt sich
die steigende Aufregung. Philipp verschwindet mit seinem
Telemetriekoffer im Renngeschehen und postiert sich irgendwo
unter einem Pavillion. Staunende Besucher gucken auf den
Bildschirm und sagen begeistert „Great“. Philipp ist mehr
mit ihnen und der Presse beschäftigt, als mit dem robotisch
laufenden Programm von Hinztec. Es ist ja auch noch nichts
weiter zu sehen. Der Buggy steht auf dem Parkplatz, so wie
es sein sollte, sendet brav seine GPS-Daten und hinterlässt
auf dem Bildschirm ein kleines Spiegelbild – natürlich
unbeweglich brav auf dem Parkplatz. Hin und wieder piepst
sein Walkie-Talkie und dann gibt er die vom Fahrerlager
empfangene Nachricht weiter an unseren Presse-Markus oder
umgekehrt an die Fahrer.
Markus hat sich mit zwei Videokameras bewaffnet und stelzt
durch die zuschauende Menge. Eine Kamera ist auf dem Stativ.
Die Fahrer sitzen ungeduldig auf dem Moonbuggy unter unserem
Zelt. Alexander fummelt im Werkzeugkasten umher und
überlegt, was er noch tun könnte. Yvonne besorgt mit Peggy
Frühstück auf dem Tablett. Das Team ist zu einer Maschine
geworden. Jedes Rädchen dreht sich an der richtigen Stelle,
jeder ist mit seiner Aufgabe verwachsen, jeder ist mit
vollem Ernst bei der Sache. Mit Genugtuung beobachte ich
jeden Einzelnen und stelle fest, dass alle einen großen
Schritt gemacht haben. Weg sind die trudelnden Gespräche um
sinnlose TV-Shows, die Diskussionen über Dinge die in der
nächsten Minute nicht mehr wichtig sind und nur das Bild der
Illusion unserer Medienwelt spiegeln. Diese Generation
braucht nur ein Ziel und hier gibt es eins. Unten: Die
Jury ist streng, hier wird alles erklärt, es geht um Awards. Fünf Moonbuggys sind schon gestartet,
aber noch keines kam unversehrt ins Ziel. Es reißen Ketten,
verbiegen sich Räder, Brechen Lenkungen oder gar der ganze
Buggy. Das Team aus Puerto Rico überschlägt sich
ausgerechnet unter der ausgestellten Flügelrakete V1. Die
Hindernisse sind höher als im letzten Jahr. Manche
Schotterberge erscheinen unpassierbar.
Unser Fahrer Andrij ist völlig in sich gekehrt. Er
beobachtet jedes Hindernis und die Überfahrten der anderen
Buggys. Seine Mine ist finster und ansprechen kann man ihn
nicht. Mit Andrij´s Mine verdunkelt sich der
Horizont bedrohlich. Die Racer, Zuschauer und auch unser
Team bemerken es nicht. Vorsorglich gebe ich Philipp den
Tipp, seinen Mission-Control-Koffer weiter unter das Dach zu
ziehen, die herumliegenden Teile im Fahrerlager
einzusammeln, das Zelt zu sichern und das Buggy weiter unter
das Zelt zu stellen. So erwischt es uns nicht so
unvorbereitet wie viele andere Teams. Wie von einem Schalter
bedient „gießt es urplötzlich aus allen Kannen“. Dazu kommen
Winde auf und wird es kälter. Die Menschen strömen
auseinander und auf die Türen zu. Sofort bilden sich auf dem
Rennkurs kleine Bäche, Pfützen und in den Mondkratern kleine
Seen. Die Teams auf dem Rennkurs aber halten durch, sie
kämpfen sich erschrocken in das Ziel und kommen triefend an. Die Rennleitung hält einen Moment inne.
Kein Buggy startet. Nur das Prasseln des Regens und das
leise Piepsen unseres Telemetriekofers sind noch zu hören.
Nach fünf Minuten werden die Tropfen dünner und es stellt
sich auf Dauerregen ein. Der Wind nimmt ab. Schon ertönt
wieder die Sirene und es starten Buggys. Nun wird alles
anders. Die Fahrer durchnässen in wenigen Minuten. Auch die
kostenlos verteilten Regenponchos helfen kaum. Alles wird
naß, Haare, Schuhe, Kleidung, Fotokameras.
Credit:
German Space Education
Institute
Editor:
Frank Erhardt(Astrolabium.Net)
Alle Fotos Credit und Copyright:
German Space Education
Institute
| Weitere Informationen |
|
Sponsoren German Space Education Institute Gemeinnütziges internationales Privatinstitut zur Förderung wissenschaftlicher, hochtechnischer und akademischer Berufsorientierung e.V. Wurzner Str. 4; D-04315 Leipzig; Germany Tel: +49 (0) 341-68139-86; Fax: -89 www.spacepass.de
|
Leserkommentare |







RSS Newsfeed