29. März 2008 - Leipzig:
Nun sitzen wir hier in der Sachsen-Therme. Der letzte Tag
vor unserer großen Reise. Morgen in den späten Abendstunden
werden wir in den ICE steigen und dann von Düsseldorf nach
Huntsville/Alabama fliegen. Hinter uns liegen anstrengende
und schwierige Wochen, es gab viele Probleme zu lösen und
eine Menge Stress. Doch heute ruhen wir uns noch einmal aus
und sammeln unsere Kräfte für das Moonbuggy Race. Die letzte Woche verbringen wir fast
nur im SEI. Gründonnerstag war der erste Tag unserer
Osterwoche. Während die anderen Schüler Ferien haben,
sind wir schon wieder bei den Vorbereitungen für das
Rennen. Erst einmal müssen noch die Award-Bewerbungen
fertig gestellt und abgeschickt werden. Also sitzen wir
an den Computern und schreiben diese vorerst auf
Deutsch. Zwischendurch machen wir uns noch einmal mit
dem Aufbau des Moonbuggys vertraut. Über das
Osterwochenende teilen wir auf, wer welchen Award auf
Englisch übersetzt. Dann geht es für zwei Tage zu den
Familien.
Es ist Montag.
Wir überarbeiten nun die Dokumente und übersetzen Dinge die
übers Wochenende ergänzt wurden. Später verlegen wir noch
alle Bowdenzüge des Moonbuggys. Damit sind wir den ganzen
Tag beschäftigt.
Der nächste Tag beginnt wieder um 9
Uhr. Da kommt auch Thommy, unser Teamleiter aus dem
Moonbuggyteam 2007. Markus fährt zu Velowelt um das
Liegefahrrad zu holen. Damit will er am nächsten Tag zur
Firma Aischmann, seinem Sponsor, fahren. Währenddessen bauen
wir die Getriebe aus. An die hintere Tretsäule muss eine
Strebe zur Verstärkung angeschweißt werden. Sie verbiegt
sich beim starken Treten immer noch. Später löten Herr
Heckel und Philipp noch ein Ladekabel, womit man auch nur
einen Akku für die Telemetrie einzeln laden kann. Die Zeit wird knapp. Wir wollen fahren,
aber immer und immer wieder müssen Dinge eingestellt,
abgestimmt und angebaut werden. Es sind kleine Halterungen
aber diese halten auf. Endlich ist es soweit und wir können
fahren. Es ist nachts gegen 22 Uhr und es wird kalt. Aber
das hält niemanden auf. Wir fahren auf dem Testkurs am Rabet
(ein Inliner-Park) und geben „Gas“. Jeder fährt mit jedem
und wir stoppen die Zeit.
Der Kurs ist jeweils 1200 Meter lang. Zum Glück ist
Licht am Buggy. Philipp schreibt die Telemetriedaten auf dem
Computer mit. So sehen wir auch im Dunkeln wo sich der Buggy
gerade befindet. Anfangs erscheint es uns noch, als würde
sich der Buggy nur sehr schwer und träge bewegen, wohl aber
war das nur Einbildung. Denn dann setzen sich Yvonne und
Ralf auf den Buggy und fahren auch eine Runde. Sie fahren
mit 4: 36 min die Bestzeit, obwohl sie nicht bei Kieser-Training
trainiert haben wie wir. Eigentlich kann das nicht sein!!!
Also unterbieten wir mit der Besetzung Andrij/Peggy diese
Zeit. Aber es strengt an. Rechts:
Peggy fährt vorsichtig über das Hindernis.
Herr Heckel sagt:
„Seht Ihr und nun seid ihr mitten im Moonbuggy Race. Das ist
das Niveau.“. Wir hätten das nie gedacht und sind
beeindruckt. Ein Moonbuggy ist kein doppeltes Fahrrad,
sondern ein richtiger Jeep. Es wird beschlossen, am nächsten
Tag bis an die Grenzen zu gehen, weiterzutrainieren und aus
den Bestzeiten die Fahrer zu bestimmen. Es geht wieder früh aus dem Bett. Es
müssen Zwangsführungen für die Antriebsketten gebaut werden.
So können sie bei Stößen nicht mehr abspringen. Nachmittags
fährt Thommy mit dem Motorroller zur Firma Heiterblick GmbH,
um die Verstärkung an die hintere Tretsäule schweißen zu
lassen. Da der Schweißer nicht da war, lässt er sie dort
liegen, damit sie am nächsten Tag geschweißt werden können.
Er vergisst dabei, dass wir abends noch trainieren wollen
und die Tretsäule deshalb benötigen. Er fährt also wieder
zurück, doch mitten in Leipzig geht ihm das Benzin aus. Es
war eine ungeplante Zusatzfahrt. Peggy holt mit dem Fahrrad
einen Kanister Benzin von der Tankstelle und bringt es ihm.
Es geht viel Zeit verloren und bindet zwei
Teilnehmer. Wie schnell doch alle Planung durcheinander
geraten kann, wenn man nicht aufpasst! Es wird wieder nicht vor 22 Uhr, bis
wir den Buggy fahren können. Andrij und Alex fahren vor, der
Rest der Gruppe packt noch die Telemetrie in das Auto. Als
wir losfahren wollen, kommt ein ernüchternder Anruf. Das
Buggy ist beim Sprung über einen Hügel zerbrochen. Alle sind
erschrocken. Wir fahren hin. Niemand ist verletzt, doch die
Schwinge am Vorderrad sieht merkwürdig aus. Ein Kugelgelenk
ist gebrochen. Herr Heckel sagt: „Für heute ist das Rennen
vorbei. Wir kennen nun die Grenzen. Zurück in die
Werkstatt.“ Der Buggy muss auf das Autodach bugsiert werden.
Es ist ausgeschlossen ihn zu fahren, um nicht noch weitere
Teile zu beschädigen. Im MAB (Moonbuggy Assembly Building)
zerlegen wir das Fahrwerk vorn und stellen fest, dass die
Schwinge ganz schön mitgenommen aussieht. Sie ist in zwei
Ebenen verbogen. Mit Herrn Heckel analysieren wir genau den
Hergang. Es ist uns wichtig zu wissen, was warum und wie
passiert ist. Dann geht es an den großen Schraubstock mit
Messschieber und großem Hammer. Mit gekonnten
Hammerschlägen, Holzbrettchen und Gegengewichten bringt Herr
Heckel das komplizierte Teil wieder in die richtige Form.
Unglaublich, wie man mit einem großem Hammer Teile richten
kann, die dann wieder auf hundertstel Millimeter passen.
Alexander wechselt dann noch das gebrochene Kugelgelenk aus.
Den Zusammenbau wollen wir morgen machen. Es ist Freitag. Thommy steht als erster
auf und fährt zum wiederholten Mal zur Heiterblick GmbH, um
nun endlich die Verstärkung an die Tretsäule schweißen zu
lassen. Er ist erfolgreich. Nachdem er wieder zurück ist,
wird die Baugruppe mit Edelstahlspray eingesprüht und
eingebaut. Währenddessen ist auch das Fahrwerk wieder in
Ordnung. Dann wird für den Telemetriekoffer eine Halterung
gefertigt und das Zusammenklappen des Buggys geübt. Es ist
schönster Sonnenschein und warm. Beim Zeitnehmen des
Auseinanderklappens bricht die Sendeantenne ab. Sie war
nicht stabil genug. 30 Euro sind dahin. Das tut weh,
trotzdem müssen wir eine Neue kaufen. Yvonne erledigt das
und bringt eine Kürzere mit. Wir sind zufrieden. Herr
Aischmann kommt vorbei. Es ist der erste Besuch eines
Sponsors während der Bauphase bei uns. Er lässt sich alles
erklären und gibt dann Tipps. Über den nächtlichen Schaden
ist er beeindruckt. „So hohe Kräfte wirken da?“ Oben:
Sandhindernis, wo kein Fahrrad oder Motorrad mehr durchkommt Gegen 15 Uhr kann der Buggy für die
letzten Testfahrten freigegeben werden. Wir simulieren nun
ein komplettes Rennen. Das ganze Team muss in voller Montur
seinen Platz einnehmen. Die Befehlsketten müssen stimmen,
nichts darf mehr durcheinender laufen. Die staunenden und
teils auch störenden Zuschauer dürfen uns nicht ablenken.
Wir überhören so gut es geht höhnische Bemerkungen und
spüren auch kaum die Zurufe. Das Team in blau wird zu einer
Einheit. Reshma hat das Kommando und steuert hochsitzend mit
dem Handfunkgerät das Rennen. Sie schreibt die Zeiten auf,
gibt die Startzeichen und holt sich vom Presseteam (Markus
und Ralf) und dem Mission Control Center (Philipp an der
Telemetrie) die OK´s ein. Die Bordkamera läuft mit. Rechts:
Andrij und Reshma lassen sich nicht ablenken, den Kindern
macht´s Spaß Zuerst stören die herumtollenden Kinder
wirklich sehr, auch griesgrämig dreinschauende und paffende
„Cliquen“ sind unangenehm. Sie machen sich lustig, auf eine
beleidigende Art. Sie lenken immer wieder ab. Herr Heckel
holt uns alle zusammen und erklärt uns, dass wir gerade
jetzt uns von nichts mehr abhalten oder beeindrucken lassen
dürfen. Solches sind alles Störfaktoren, welche uns ein
gutes Wettbewerbsergebnis streitig machen können. Beim
Rennen ist noch viel mehr los und in einem Raumschiff oder
auf einem echten Moonbuggy kommt noch die andere
Gravitation, ein anderer Druck und die lebensgefährliche
Strahlung hinzu. Auch dort schauen misstrauische
TV-Zuschauer mit, die dann höhnisch herumposaunen, dass die
Mondlandung oder das Moonbuggy Race eine Lüge war. Man muss
das hinter sich lassen können. Er sagt: „Geht nicht, gibt’s ab jetzt
nicht mehr. Kann nicht – gilt nicht. Es gibt kein zurück.
Hier ist Euer Point of no Return. Ihr habt monatelang
gefiebert und hart am Ziel gearbeitet, etwas
Außergewöhnliches geschaffen. Es werden nun diese Leute euch
nicht davon abhalten. Lasst sie, entweder haben sie schon
verloren und ihr werdet sie nicht ändern oder ihr werdet zu
ihren Vorbildern. Zeigt lediglich, dass ihr es könnt, werdet
ein Team und zeigt das auch allen. Fühlt den Teamspirit und
reitet das Moonbuggy. Ihr seid die Zukunft.“ Unten:
Treppe kein Hindernis, Peggy und Philipp nehmen sie gelassen
in Angriff.
Das erleichterte. Nun ging´s auch viel besser. Jeder machte
seinen Job, ließ sich von nichts mehr ablenken. Andrij bekam
als Pilot einen stählernen Blick. Er schien nur noch das
Ziel im Auge zu haben, schaute einfach durch alles hindurch.
Die Kommandokette stimmte. Alles lief leise und koordiniert
ab. Niemand rief mehr dazwischen. Der Buggy sauste
Bestzeiten, fast eine Minute unter den alten Zeiten (3:53
min !). Die Leute blieben staunend an der Seite stehen oder
wichen zur Seite. Niemand lästerte mehr. Jetzt sind wir
bereit für das NASA Moonbuggy Race 2008. Oben:
Alexander an der Kamera, man muss schnell sein, um mehrere
Positionen zu haben Zurück im MAB
stellen wir einen letzten Akt des Ärgernisses fest. Der
Geschwindigkeitsmesser fehlt. Die herumlungernden Jungs von
der Clique haben sich „gerächt“. Naja, sollen sie glücklich
werden damit – der war sowieso nur eine nicht
funktionierende Attrappe. Die Geschwindigkeit misst Philipp
per Funk im Mission Control Centrum und zeichnet sie auf.
Solche Dumme-Jungen-Streiche haben wir auch mal gemacht und
sehen dies nun von der anderen Seite. Es ist wirklich nur
blöd und bringt Null Ergebnis. Rechts:
Fertig! Der Buggy besteht nur noch aus vielen kleinen
Päckchen.
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Credit:
German Space Education
Institute
Besonders
viel Spaß machen die Hügel für die Inliner. Herr Heckel
sagt, dass wir uns an den Buggy gewöhnen sollen, mit ihm
eins werden müssen und ihn unerschrocken fahren sollen –
auch wenn es Kanten, Steine, Treppen oder eben Hügel gibt.
Also schieben wir das Gerät langsam über alle Hügel hinweg,
um zu sehen, dass er auch darüber passt. Nichts schleift.
Also wird mit voller Besetzung Anlauf genommen. Erst geht es
langsam, dann immer schneller. Andrej hat viel Spaß dabei
und will mehr. Er nimmt als Fahrer richtig Anlauf und bremst
auch nicht ab. Der Buggy hebt ab und fliegt 2-3 Meter weit,
kommt mit den Vorderrädern weich auf, federt durch und fährt
geschmeidig über das nächste Hindernis. Alle sind
erschrocken. Aber nichts passiert, also gibt es ein großes
„Hallo“. Zum Glück ist das Fahrzeug schon „kampferprobt“,
sind Sicherheitsgurte dran und müssen die Fahrer Protektoren
tragen. Andrij hat absolut richtig gelenkt, hat bei
Stoßbelastungen die Räder immer auf Geradeausfahrt gestellt.
So werden sie geschont. Wir haben Bilder vom Moonbuggy Race
gesehen, wo sich die Felgen der Räder regelrecht
„abgeschält“ haben. Bei unserem ist alles in Ordnung.
Es wird noch ein Debriefing gemacht und sich kleine
Unzulänglichkeiten notiert.
Wir beginnen den Buggy zu zerlegen und zu verpacken. Gegen 1
Uhr nachts ist alles in kleinen Teilen und in Knallfolie
verpackt. Dann muss es nur noch gewogen und in die Koffer
verpackt werden. Es werden 14 Koffer daraus, dazwischen ist
natürlich noch unser privates Gepäck - als Stopfmittel...
Wir legen uns zum letzten Mal vor dem Rennen im SEI
schlafen.
Zum ersten Mal schläft es sich richtig gut. Der nächste Tag
gehört dem Team. Wir gehen baden – den ganzen Tag lang.
Morgen ist Abflug und jeder von uns ist schon ganz
aufgeregt.
Autoren:
Editor:
Frank Erhardt (Astrolabium.Net)
Alle Fotos Credit und Copyright:
German Space Education
Institute
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